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Überall wo gebaut wird, ist das mit Eingriffen verbunden. Manchmal ist ein Eingriff größer, etwa wenn sensible Naturräume betroffen sind. Bei Bahntrassenradwegen sind die erwartbaren negativen Effekte jedoch geringer, da bereits vorhandene Verkehrsinfrastrukturen nachgenutzt werden und sich Radwege sehr gut in den Querschnitt bestehender Bahndämme einpassen.

Doch gerade bei Radwegen auf Bahntrassen war man in Sachsen bisher sehr vorsichtig: Obwohl es sich ja eigentlich um Verkehrsflächen handelt, wurden sämtliche natürlichen Schutzgüter sehr streng bewertet, etwa die Bodenversiegelung und Auswirkungen auf das Grundwasser. Nicht selten stellte sich die Frage, ob nicht vielleicht sogar eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich sei. Die Bemühungen um die Belange des Naturschutzes trieben manchmal extreme bürokratische Blüten. In einem uns bekannten Fall sollte sogar der alte Schotter der Gleisanlage als Sondermüll entsorgt werden.

Nun hat ein Gutachten im Auftrag des Sächsischen Umweltministeriums mögliche Umweltwirkungen bei Bau und Betrieb von Radwegen auf Bahntrassen untersucht. Für den Bau von Radwegen auf Bahntrassen konnten dabei allgemeine Aussagen zu Beeinträchtigungen verschiedener Schutzgüter getroffen werden, die nahelegen, dass in den meisten Fällen das Genehmigungsverfahren erheblich abgekürzt werden kann.

Zahlreiche Schutzgüter erfordern nach dem Gutachten keine separate Prüfung mehr, da eine erhebliche Schädigung beim Bau von Bahntrassenradwegen in der Regel ausgeschlossen werden kann.

Der Altbaumbestand entlang alter Bahntrassen ist vom Bau eines Bahntrassenradwegs nicht betroffen, er kann in der Regel vollständig erhalten werden. Auch für das Schutzgut Wasser sind grundsätzlich keine erheblichen Eingriffe zu erwarten. Nur im Zuge von Bauarbeiten bei Brückensanierungen oder Neubauten können Beeinträchtigungen von Fließgewässern resultieren, die aber nicht zwingend mit der Beeinträchtigung des Schutzguts Wasser verbunden sind. Eine Schädigung des Landschaftsbildes ist durch Bahntrassenradwege ebenfalls nicht zu erwarten, weshalb auch hier keine gesonderte Prüfung nötig ist. Da alte Bahntrassen bereits geschottert sind, besteht auch keine erhebliche Schädigung des Schutzguts Boden. Ebenso ist durch den Bau von Radwegen auf Bahndämmen keine Neuversiegelung von Flächen zu erwarten, allenfalls in geringem Maße in der Bauzeit. Nur unter bestimmten Umständen konnte die Studie eine Eingriffsrelevanz für Biotope und das Schutzgut Fauna erkennnen.

Weitere Schutzgüter, etwa das Klima und die Möglichkeiten der Erholung in der Landschaft, profitieren durch den Bau von Bahntrassenradwegen eher als dass sie schaden. Auch während der Bauphase von Radwegen auf alten Bahntrassen ist das Eingriffspotential nicht groß. Oft bekamen wir von Mitarbeitern aus Behörden und Ministerien zu hören, die umweltrechtlichen Genehmigungsprozesse beim Bau von Radwegen seien mit denen Autobahnen durchaus vergleichbar. Das Gutachten zur allgemeinen Bewertung der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung bei der Umnutzung stillgelegter oder entwidmeter Bahntrassen zu Rad- und Wanderwegen gibt Anlass zur Hoffnung, dass diese Zeit vorüber ist.

Gutachten des SMUL zur Umnutzung stillgelegter oder entwidmeter Bahntrassen (pdf)
Informationen zu Bahntrassenradwegen in Europa