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Nach schweren Unfällen: Fahrradclub sieht Verantwortung für schwere Unfälle auch bei den Kommunen

Innerhalb weniger Tage wurden in Leipzig zwei Radfahrer in sehr schwere Unfälle verwickelt. In beiden Fällen waren plötzlich geöffnete Autotüren die Ursache. Eine Frau wurde beim Ausweichmanöver von einer Straßenbahn erfasst und verstarb noch am Unfallort. Auch wenn der unachtsam die Autotür öffnende Autofahrer die Hauptschuld trägt, liegt aus Sicht von Konrad Krause vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC) ein Teil der Verantwortung bei den Kommunen. Solch extreme Unfälle lassen sich vermeiden, wenn Radfahrer ausreichend Platz haben, um einen Sicherheitsabstand zu parkenden Autos halten zu können. Ist dieser Platz nicht vorhanden, muss an Hauptradrouten auf solche gefährlichen Parplätze verzichtet werden, so der Geschäftsführer des Fahrradclubs.

"Viele Unfälle mit geöffneten Autotüren lassen sich vermeiden, wenn wir die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer ernster nehmen würden. Schon seit längerer Zeit haben wir Gefahrenstellen mit sich öffnenden Autotüren im Blick. Auch wenn es den Kommunen schwer fällt, den Autofahrern auch mal einen Fußweg zuzumuten, weil der Parkplatz vor der Tür ein Unfallrisiko darstellt, die Sicherheit aller sollte uns wichtiger sein."

In vielen Städten ist an wichtigen Hauptrouten des Radverkehrs das Parken erlaubt. Wenn dann Planer die erforderlichen Sicherheitsstreifen zwischen Radwegen und Parklücken nicht einhalten, so wie an der Fritz-Reuter-Straße in Dresden, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Hier wurde erst im Januar ein Radfahrer Opfer einer sich plötzlich öffnenden Autotür. Er verstarb noch am Unfallort.

Bei den genannten Fällen handelt es sich nicht um Einzelfälle. Allein für das Jahr 2016 hat der ADFC zahlreiche Fälle in Sachsen dokumentiert (siehe Liste im Anhang). Allein in Leipzig werden jedes Jahr etwa 50 Radfahrer Opfer sich öffnener Autotüren, der ADFC geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Krause fordert deshalb die sächsischen Kommunen dazu auf, an Hauptrouten des Radverkehrs Längsparken nur noch dann zu erlauben, wenn ausreichend breite Sicherheitsstreifen vorhanden sind. Der Freistaat sei außerdem in der Pflicht, den Kommunen klare Vorgaben zu machen. "Nach der StVO sind Kommunen dazu verpflichtet, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Wo der Platz für die nötigen Sicherheitsabstände nicht ausreicht, kann es am Straßenrand eben keine Parkplätze geben."

"Wir brauchen in Sachsen dringend eine Debatte über die Verkehrssicherheit. Wenn sich Polizei und Straßenverkehrsbehörden lediglich auf die Unachtsamkeit einzelner Verkehrsteilnehmer herausreden ist das zu kurz gesprungen. Denn gerade im Rad- und Fußverkehr sind es die vor allem die, die unseren besonderen Schutz brauchen, Kinder und ältere Menschen, die überdurchnittlich von schweren Unfällen betroffen sind."

Der ADFC fordert deshalb auch das Land dazu auf, tätig zu werden. "Verkehrsminister Martin Dulig bekleidet das Amt der obersten Straßenverkehrsbehörde und steht in der Verantwortung, hier deutlich mehr zu tun und die unteren Behörden entsprechend anzuweisen."

Daneben hält es der ADFC-Geschäftsführer auch für notwendig, dass die Städte die geltenden Regeln durchsetzen. "Wir haben in den Großstädten eindeutig ordnungsrechtliche Defizite. Wenn der Verfolgungsdruck auf Falschparker zu niedrig ist, nützt auch eine gute Verkehrsplanung nicht viel." so Krause. Die Städte müssten deshalb auch ausreichend Personal bereitstellen, um der zunehmenden Verkehrsgefährdung durch Falschparker Herr zu werden.