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In wenigen Wochen ist Bundestagswahl. Auf Ebene des Bundes werden bedeutende Entscheidungen, auch für die Bedingungen des Radverkehrs getroffen. Da in den Wahlprogrammen wenig zum Fahrradverkehr steht, sehen wir es als unsere Aufgabe an, Transparenz herzustellen. Wir haben den Spitzenkandidaten der sächsischen Parteien und zwei renommierten sächsischen Verkehrspolitikern über Abgeordnetenwatch fünf Fragen zum Radverkehr gestellt. Wir sind gespannt auf die Antworten und bedanken uns schon im Voraus.

Spitzenkandidat der CDU: Thomas De Maiziere (ohne Antwort)
Spitzenkandidat der SPD: Thomas Jurk
Spitzenkandidat der LINKEn: Katja Kipping
Spitzenkandidat der Grünen: Monika Lazar
Spitzenkandidat der FDP und Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium: Jan Mücke
Spitzenkandidat der Piraten: Sebastian Harmel
Wolfgang Tiefensee (SPD, ehemaliger Bundesverkehrsminister)
Stephan Kühn (Grüne, Mitglied des Verkehrsausschusses)

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat eine Studie zur Verkehrssicherheit von Radfahrern veröffentlicht. Ziel der Studie waren Erkenntnisse über die Einflüsse der Verkehrsinfrastrukturgestaltung und des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer auf die Verkehrssicherheit beim Abbiegen an innerörtlichen Knotenpunkten.

Im Rahmen des Projektes wurden in vier Städten (Erfurt, Darmstadt, Magdeburg und Münster) rund 900 Unfälle zwischen abbiegenden Kfz und geradeausfahrenden Radfahrern aus den Jahren 2007-2009 analysiert. An 43 Knotenpunkten erfolgten ergänzende Verhaltensbeobachtungen. Eine zusätzlich durchgeführte repräsentative Telefonbefragung in den Untersuchungsstädten gab zudem Auskunft über das subjektive Sicherheitsempfinden unterschiedlicher Radverkehrsführungen, das eigene Verhalten und den Kenntnisstand zur Verkehrsregelung.

Die Unfalluntersuchungen zeigten, dass Kfz-Fahrer in mehr als 90 % Hauptverursacher der Unfälle waren. Unfälle wurden jedoch auch durch die unerlaubte Nutzung der Gehwege oder das Linksfahren der Radfahrer begünstigt. Als besonders unfallauffällige Infrastrukturen in Bezug auf Rechtsabbiegeunfälle haben sich Radwege mit Furtabsetzungen von mehr als 2 Metern in Verbindung mit Sichthindernissen herausgestellt. In Bezug auf Linksabbiegeunfälle ergaben sich hohe Unfallrisiken bei Radverkehrsführung im Mischverkehr an unsignalisierten Knotenpunkten.

Immer mehr Menschen zieht es mit dem Rad an die Ostsee oder nach Dänemark und sogar bis hinauf zum Nordkap. Für Dresdner stellt sich dabei die Frage, wie man am komfortabelsten und dennoch direkt aus dem Elbtal Richtung Norden kommt. Zwischen Autobahn, Könisgbrücker Straße und Fischhausstraße ist es nicht gerade einfach, die ideale Route aus der Stadt heraus zu finden, ohne dabei unnötige Umwege zu fahren.

Etwa zehn ADFC-Mitglieder haben deshalb seit letztem Sommer eine Radroute zwischen Dresden und Berlin ausgearbeitet. Die Route beginnt an der Frauenkirche in Dresden und endet am Brandenburger Tor in Berlin. Längere Abschnitte über matschige oder holprige Wege sollten auf der Route bewusst vermieden werden. Ziel ist ein möglichst direkter und bequemer Radfernweg zwischen Berlin und Dresden. Mit dem Rennrad ist die Strecke in zwei Tagen durchaus zu schaffen. Damit auch langsamere Radfahrer auf ihre Kosten kommen, wurde die Route bewusst über Orte mit ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten gelegt, sodass auch kürzere Etappen kein Problem sind.

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Der Elbradweg, hier steht er noch unter Wasser
Bild: Konrad Krause (Flickr)

Das Hochwasser an Elbe, Mulde und Elster ist schon lange weg. Was bleibt ist die Frage, ob die Flussradwege nutzbar sind und eine Reise durch die betroffenen Täler und Flussauen ein Vergnügen ist.

Die Antwort ist kurz: Ja! Wir sind Zwickauer Mulde um Penig, die Vereinigte Mulde um Bitterfeld, die Weiße Elster um Gera und Elbe bei Torgau abgefahren und haben vorbeikommende Radtouristen gebeten, von Problemen zu berichten. Demnach sind die Radwege weitgehend befahrbar und sauber, es existieren nur noch wenige kleinere Umleitungen, die oft unter dem Preis einigen Metern Schiebens ignoriert werden können. Fast alle Pensionen, Biergärten und Restaurants sind geöffnet und freuen sich über jeden Gast. Auch der modrige Geruch aus den feuchten Wiesen ist verschwunden.

Auch ohne Hochwasser ist es immer ratsam, rechtzeitig bei der Wunschherberge anzurufen um sich zu vergewissern, dass Betten frei sind. Unsere Bett+Bike-Datenbank hilft Ihnen dabei, die fahrradfreundlichen Gastbetriebe an ihrer Strecke zu finden.

Ein Viertel aller Autofahrten sind kürzer als drei Kilometer. Würde man die Hälfte davon durch Radfahren und zu Fuß gehen ersetzen, könnte man allein in Deutschland jedes Jahr 5 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß einsparen. Das ist deutlich mehr als ein Tempolimit auf Autobahnen erreichen würde. Die Mobilitätsformen der Nahmobilität wie zu Fuß gehen, Radfahren etc. sind deshalb ein unverzichtbarer Baustein in eigentlich allen Konzepten einer umweltfreundlichen Mobilität.

Aus diesem und weiteren Gründen fordert die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag von der Staatsregierung einen "Aktionsplan" zur Nahmobilität. Die Fraktion hat einen Antrag eingebracht, zu dem heute eine öffentliche Anhörung vor dem Verkehrsausschuss des Landtags stattfand. Neben der Geschäftsführerin der AGFS, dem Bundesvorsitzenden des VCD und dem Inhaber des Planungsbüros SVU war auch der Geschäftsführer des ADFC Sachsen als Sachverständiger eingeladen, brachte den Abgeordneten die Idee der Nahmobilität näher und stand für ihre Fragen zur Verfügung.

Die schon erwähnte AGFS in Nordrhein-Westfalen oder die AGFK in Bayern zeigen beispielhaft, dass neben den Kommunen und dem Radwegebau an Landesstraßen auch der Austausch von Erfahrungen und die Koordinierung auf Landesebene für eine erfolgreiche Mobilitätspolitik unentbehrlich sind. In Sachsen hingegen spielt die Förderung der Nahmobilität auf Landesebene bisher keine herausragende Rolle. Wenn es um Mobilität mit dem Rad und zu Fuß geht, verweist die Sächsische Staatsregierung zumeist auf die kommunale Selbstverwaltung. Ein Indiz dafür, dass landesweit weder Ziele vorhanden sind noch überhaupt die Notwendigkeit einer strukturierten Rad- und Fußverkehrspolitik erkannt werden.

Bleibt zu hoffen, dass der Antrag der SPD ein Stück dazu beiträgt, die Sichtweise der Staatsregierung zu ändern.

Am 28. Juni 2013 traf sich der Geschäftsführer des ADFC Sachsen mit Nam-Cheol Baik vom Korea Institute of Construction Technology und Il-Ryung Lee vom koreanischen Innenministerium zu einem Erfahrungsaustausch. Neben technischen Fragestellungen der Radverkehrsförderung in Deutschland und Korea ging es auch um die Herausforderungen bei der Interessenvertretung der Radfahrer gegenüber der Politik und die Herausforderungen auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Gesellschaft, bei der sich - bei allen Unterschieden im Detail - erstaunliche globale Parallelen zeigten.

Zum Abschluss des Treffens gab es eine radverkehrsplanerische Rundfahrt auf dem Fahrrad durch Dresden, bei der natürlich auch die touristischen Highlights nicht ausgelassen wurden.