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ADFC und BUND protestieren vor sächsischer Staatskanzlei gegen Abwrackprämie

Unter dem Motto "Staatsregierung wachklingeln" demonstrierten ADFC und BUND heute vor der Staatskanzlei in Dresden. Mit der Aktion machten die Verbände auf die kontroversen Äußerungen des Ministerpräsidenten aufmerksam, der in den letzten Wochen wiederholt eine Autokaufprämie gefordert hatte, um angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise wirtschaftliche Impulse zu setzen.

Mit einem zehnminütigen Fahrradklingelkonzert folgten 200 Demonstrierende dem Aufruf des ADFC und des BUND und versuchten so, die Staatsregierung symbolisch aus ihrem verkehrs- und klimapolitischen Alptraum zu wecken.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, zeigt sich schockiert über die Pläne des Ministerpräsidenten: "Die Autokaufprämie ist eine Geldausschüttung an Leute, die sich ohnehin ein neues Auto leisten können. Sie ist verkehrspolitisch kontraproduktiv, denn statt Mobilität würde sie neuen Stau in die Städte bringen und die Konkurrenz um die ohnehin knappen Flächen verschärfen."

Als Gegenentwurf formulierte der ADFC in einem bundesweiten Unternehmer- und Verbändebündnis eine diskriminierungsfreie "Mobilitätsprämie für Alle", die beispielsweise Fahrradkäufe, Nahverkehrsabonnements oder das Car-Sharing unterstützt.

„Was Deutschland jetzt braucht, sind nicht Prämien für die Anschaffung neuer Autos, sondern Anreize, das Verkehrssystem komplett umzubauen: hin zu weniger Autos und die elektrisch betrieben und zu mehr Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr. Und letztere müssen verstärkt subventioniert werden, nicht eine Dinosauriertechnologie, die schon vor Corona die Zeichen der Zeit nicht gehört hat.“ ergänzt David Greve, Geschäftsführer des BUND Sachsen am Dienstag in Dresden.

Hintergrund

Durch Corona hat sich das Leben fast aller Menschen in Deutschland schlagartig verändert. Sie stehen jetzt vor der Entscheidung, wie sie ihre Mobilität nach dem Lockdown neu organisieren.

Seit Wochen führen Automobilverbände und Spitzenpolitiker quer durch das ganze Land eine Diskussion, ob die Verkaufszahlen der deutschen Automobilindustrie mithilfe einer Kaufprämie gestützt werden sollten. Wie der ARD-DeutschlandTrend zeigt, befürworten nur 12% der Deutschen ein solches Vorhaben. Darüber hinaus haben sich auch die fünf "Wirtschaftsweisen" gegen eine "Abwrackprämie" ausgesprochen.

Davon unbeeindruckt scheinen neben Sachsens Ministerpräsident Kretschmer auch andere Spitzenpolitiker nicht von ihren Entscheidungen abrücken zu wollen. Der zunächst für den 2. Juni geplante "Automobilgipfel" im Kanzleramt ist zwar verschoben, ADFC und BUND sehen noch längst keinen Grund zur Entwarnung.

Heute haben die Mitglieder des ADFC Sachsen auf ihrer Landesversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Niklas Schietzold ist neuer Vorsitzender des ADFC Sachsen. Er übernimmt das Amt von Olaf Matthies, der es die letzten acht Jahre inne hatte und nicht wieder zur Wahl angetreten ist. Neu im Vorstand des ADFC Sachsen sind Maria Kreußlein aus Chemnitz und Janek Mücksch aus Dresden. Weitere Mitglieder des Vorstands sind Rolf Leonhardt aus Dresden sowie René Gerullis und Michael Berninger aus Leipzig. Der neue Vorstand ist für zwei Jahre gewählt.

Der ADFC Sachsen kann auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken: Mit 1362 Neueintritten wuchs der sächsische ADFC im letzten Jahr um mehr als 17% auf 6.800 Mitglieder - doppelt so schnell wie in den Jahren zuvor. Der Fahrradclub ist inzwischen einer der größten Vereine in ganz Sachsen und der am schnellsten wachsende Landesverband des ADFC. Ein besonderer Schwerpunkt des Vereins waren im letzten Jahr die Kommunal- und Landtagswahlen, wo die Aktiven des ADFC mit Aktionen, Podiumsdiskussionen und Fachpapieren die Herausforderungen moderner Mobilität und die Mängel im Radwegenetz aus dem Schatten in die Mitte der politischen Diskussion holen konnten.

"Radfahren liegt im Trend und die Sachsen sind immer weniger bereit, Mängel und Gefahrenstellen im Radwegenetz einfach hinzunehmen. Gerade in der Mobilitätspolitik erwarten die Menschen keine Scheinlösungen von selbstfahrenden Autos oder Flugtaxis. Sie wollen etwas viel Einfacheres: Endlich sicher Rad fahren. Und es wundert mich eigentlich nicht, dass man zum, Beispiel auf einen Radweg in den Nachbarort jetzt nicht unbedingt weitere 20 oder 30 Jahre warten will." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. In der großen Lücke zwischen politischen Versprechungen und der Realität sieht Krause auch den Grund, warum immer mehr Leute den ADFC als starke Stimme für das Fahrrad unterstützen. Mit dem Motto "Mehr Platz Fürs Rad" formuliere der ADFC daher ganz genau das Ziel einer gerechteren und realistischeren Verkehrsplanung, die sich vor allem an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

 

Über den ADFC

In den neun sächsischen Ortsgruppen des ADFC engagieren sich über 250 Menschen regelmäßig in ihrer Freizeit. 2019 organisierte der ADFC sachsenweit über 20 Rad-Demonstrationen und 300 Radtouren mit über 4000 Teilnehmern. Außerdem berät der Fahrradclub zu technischen Fragen rund ums Fahrrad und setzt sich vor Ort für eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung ein. Viele Ortsgruppen bieten auch Serviceleistungen für ihe Mitglieder an. Etwa die sehr beliebte Fahrradcodierung, durch die Langfinger vom Rad-Diebstahl abgehalten werden sollen. ADFC-Mitglieder profitieren außerdem von der ADFC-Pannenhilfe, die im Fall einer Havarie Rad und Fahrer unter die Arme greift und, sofern notwendig, bis zur nächsten Fahrradwerkstatt bringt.

Auch bundesweit setzt sich der ADFC für die Verkehrswende ein. Bundesweit ist der Fahrradclub mit mehr als 185.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Bilanz 2019: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/cN6CRqCyD7cwcgD

ADFC Sachsen fordert provisorische Radwege auf Hauptverkehrsachsen

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise empfehlen Ärzte und Behörden, für die notwendigen Wege möglichst das Fahrrad zu nutzen. Die nicht ungefährliche Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soll so vermieden werden. Gleichzeitig hält Bewegung an der frischen Luft den Kreislauf in Schwung und erhöht die körperliche Fitness.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen plädiert dafür, dass den Empfehlungen der Ärzte und Fachleute auf das Fahrrad zu steigen, nun auch Taten an der Infrastruktur folgen. Nach Bogotá, New York und Kopenhagen hat nun mit Berlin die erste deutsche Stadt entlang einzelner großer Hauptstraßen Autospuren zu Radspuren umgewidmet.

„In den letzten Tagen erreichen mich viele Berichte von Personen, die zum ersten Mal ihren Arbeitsweg mit dem Rad bestreiten. Wir müssen in dieser Krise den Menschen schnellstmöglich eine gute Infrastruktur anbieten und Lücken im Netz provisorisch schließen, damit sie das Rad nutzen“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Der ADFC fordert daher, Autospuren zu Radspuren umzuwidmen, wenn mehr als eine Autospur pro Richtung zur Verfügung steht. Im Idealfall sind diese Radspuren wie in Berlin mit Pollern geschützt. „Mehr Platz für das Rad bedeutet auch, dass sich die Radfahrenden stärker verteilen und auch nicht mit Fußgängern in Konflikt kommen. Das minimiert nicht nur Unfälle, sondern auch das Infektionsrisiko“ sagt Krause. Zusätzlich wurden in Berlin an vielen Kreuzungen auch die Aufstellflächen für Radfahrende vergrößert. Auch so kann verhindert werden, dass sich zu große Pulks von Radfahrenden bilden.

Drei Tage lagen in Berlin zwischen Planung und der Umwidmungen der Fahrspuren. Die blitzschnellen Anpassungen zeigen, wie akut der Handlungsdruck ist. Die Umwidmung von Fahrspuren zu Radwegen ist zudem auch unproblematisch, da sich der Autoverkehr in den letzten Tagen ohnehin deutlich verringert hat, teils um mehr als zwei Drittel. Die Berliner Senatsverwaltung hat Rad- und Autoverkehr dabei mit Markierungen, Piktogrammen und Baken voneinander getrennt. Weitere Anpassungen sind geplant.

Um die Corona-Krise auch im Straßenverkehr zu bekämpfen, fordert der ADFC Sachsen jetzt Sofortmaßnahmen der Städte. Diese können Autospuren zu Radwegen umwidmen und vor Kreuzungen größere Aufstellflächen für Radfahrer schaffen. Daneben müssen dringend auch Tast-Ampeln abgeschaltet werden. Viele Ampeln schalten für den Rad- und Fußverkehr nur auf Grün, wenn ein Taster betätigt wird. "Die so genannten Betteltaster sind absolut unnötige Infektionsschleudern, die sehr einfach eliminiert werden können. Die Straßenbaubehörden sind hier in der Pflicht, Ampeln für Fußgänger und Radfahrer einfach in jeder Umlaufphase auf "grün" zu schalten." so Konrad Krause vom ADFC.

Seit Freitag ist klar, dass in den kommenden Wochen soziale Kontakte massiv eingeschränkt werden müssen, um die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle zu bringen. Dieses gesamtgesellschaftliche Ziel teilt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Gelingen wird uns das aber nur, wenn jeder Einzelne sich bemüht, die Zahl vermeidbarer sozialer Kontakte drastisch zu minimieren." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Eine Möglichkeit dies zu tun ist der Verzicht auf Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr, sofern das irgendwie möglich ist. Denn hier ist die Zahl unterschiedlicher sozialer Kontakte jedes Mal extrem hoch, die Verbreitung des Virus demzufolge auch. Allen Berufspendlern, die ihre Arbeit nicht ins Home Office verlagern können, empfiehlt der ADFC für den Weg zur Arbeit daher auf das Fahrrad umzusteigen: "Jeder, der statt Straßenbahn und Bus jetzt das Rad nimmt, senkt die Zahl unnötiger Kontakte und reduziert damit die Geschwindigkeit, mit der sich das Corona-Virus ausbreitet. Gleichzeitig sinkt natürlich auch das Risiko, sich selbst bei anderen Fahrgästen anzustecken." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Wenn sich weniger Menschen in Busse und Bahnen drängen, senkt das dort für jeden Einzelnen die Ansteckungsgefahr, gerade auch für die Risikogruppen und für Menschen, die nicht auf das Fahrrad ausweichen können.

Das Auto sieht ADFC-Geschäftsführer Krause indes nicht als brauchbare Alternative zum ÖPNV: "Wenn im Berufsverkehr nur ein paar Prozent mehr Menschen vom öffentlichen Verkehr in das Auto umsteigen, dann hätten wir in den Städten sofort ein Verkehrschaos. Alle stünden gemeinsam im Stau und keiner käme mehr voran. Wenn jetzt alle besonnen und schlau agieren, indem sie aufs Rad steigen, können wir auch in Zeiten von Corona einem Verkehrskollaps entgehen"

"Alle, die dazu körperlich in der Lage sind, sollten daher aufs Fahrrad umsteigen, wenigstens für die Zeit mit der größten Ansteckungsgefahr" sagt Krause. Diese Forderung vertreten neben dem ADFC auch bekannte Virologen wie der Freiburger Prof. Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums.

Am wichtigsten bei der Bekämpfung des Virus ist nach Expertenmeinung nun, die Ausbreitung hinauszuzögern, sodass die medizinischen Kapazitäten der Ärzte und Krankenhäuser möglichst zu keinem Zeitpunkt überlastet werden. Eine maximale Verringerung der sozialen Kontakte gehört dazu ebenso wie Schulschließungen und die Verlagerung aller denkbaren Arbeit ins Home Office. Letzteres macht auch der ADFC konsequent. "Ich habe die Angestellten unserer Geschäftsstelle bis auf weiteres nach Hause geschickt" sagt Krause. "Wir arbeiten ohnehin viel über Telefonkonferenzen und in der Cloud, sodass wir vom Corona-Virus nur wenig eingeschränkt sind."

Der ADFC habe außerdem seine Radtouren und alle größeren Veranstaltungen abgesagt. Als einer der größten Vereine in Deutschland habe der ADFC eine Rolle als gesellschaftliches Vorbild. Krause ist überzeugt, dass die Pandemie gut überstanden werden kann, wenn jetzt jeder seinen Teil dafür tut, dass die Ausbreitung des Corona-Virus gebremst wird.

ADFC-Studie zeigt: Nur 20% der Stationen verfügen über sichere Abstellanlagen

Zwei von fünf Bahnhöfen in Sachsen verfügen über keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bei weiteren 20% sind diese äußerst mangelhaft. Dies zeigt eine Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, die heute in Dresden vorgestellt wurde. In der Untersuchung erfasste der ADFC die Qualität und Anzahl der Fahrradabstellanlagen aller 521 sächsischen Bahnhöfe und bewertete sie mit Schulnoten. Während 60% der Bahnhöfe den Test nicht bestanden, erreichten immerhin 20% Note 1 oder 2. An diesen 101 Bahnhöfen kommt auf jeden zehnten einsteigenden Fahrgast mindestens eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit.

Gerade Bahnhöfe gelten als Hotspots des Fahrraddiebstahls, weil die Zahl der abgestellten Räder dort meist hoch und die soziale Kontrolle oft gering scheint. Mit der zunehmenden Nutzung von E-Bikes und hochwertigen Rädern steigen auch die Ansprüche an sichere Fahrradabstellmöglichkeiten. Damit sich mehr Menschen trauen ihr Rad am Bahnhof abzustellen, müssen die Bahnhöfe mit modernen Abstellanlagen ausgestattet sein.

„Diebstahlsichere Abstellanlagen kosten wenig Geld und machen das Pendeln mit der Bahn attraktiver. Kommunen und Verkehrsverbünde sollten an den mangelhaften Bahnhöfen schnell nachbessern“ fordert Mücksch, Vorstandsmitglied im ADFC Sachsen.

Der ADFC empfiehlt, für jeden siebenten Einsteiger eine diebstahlsichere Abstellmöglichkeit bereitzustellen. Im Idealfall kommt an den größeren Stationen auf jeden 200. Fahrgast darüber hinaus ein Platz in einer Fahrradbox oder einer Sammelschließanlage. Solche Abstellmöglichkeiten senken die Hürde, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren weiter und erhöhen dadurch den Einzugsradius des Bahnhofs. Nur die Bahnhöfe in Delitzsch, Oschatz und Neukieritzsch erfüllen diese Kriterien. Der ADFC fordert darüber hinaus, die 25 wichtigsten Stationen im Freistaat bis 2030 mit Fahrradstationen auszustatten.

Fast eine Million Sachsen pendeln täglich zur Arbeit, vor allem im ländlichen Raum. 79% der Beschäftigten in sächsischen Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern fahren jeden Tag in eine andere Stadt auf Arbeit. „Pendler stehen täglich vor der Wahl welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für sehr viele ist die Kombination von Rad und Bahn die intelligenteste Lösung.“ sagt Janek Mücksch.

Zwischen den sächsischen Landkreisen existieren teils erhebliche Unterschiede. Während im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Abstellanlagen im Mittel nur Note 5,1 erreichten, erhielten die Landkreise Leipzig und Bautzen durchschnittlich die Schulnote 3,6. Hier verfügen 42% der Bahnhöfe über eine gute Ausstattung. Die sächsischen Großstädte schnitten in der Studie nicht gut ab. In Leipzig verfügen 55% der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellanlagen. In Dresden sind es 73% und in Chemnitz sogar 77%.

Hintergrund:

Die durchschnittliche Qualität der Fahrradparker unterscheidet sich nicht nur zwischen den Landkreisen, sondern auch nach Städtegröße. In den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz haben 70% der Stationen keine oder nur mangelhafte Abstellanlagen. In Zwickau, Plauen und Görlitz sind es sogar 75%. In den Mittelstädten mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern liegt diese Quote dagegen nur bei 40%. In kleinen Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern beträgt der Anteil der Bahnhöfe ohne oder mit mangelhaften Fahrradparkern wiederum 74%.

Der ADFC Sachsen erfasste die Qualität und Quantität der Fahrradabstellanlagen an allen 521 sächsischen Bahnhöfen und Haltepunkten. Die Ergebnisse sind größtenteils ernüchternd: 209 Stationen verfügen über gar keine Abstellanlagen und bei 102 weiteren sind sie äußerst mangelhaft. Hier kommen auf 33 Fahrgäste weniger als ein diebstahlsicherer Abstellplatz oder es gibt nur einfache Vorderradhalter. An solchen Felgenklemmern kann durch ein einfaches Abschrauben des Vorderrades das Fahrrad entwendet werden. Daher ist es wichtig, dass sowohl der Rahmen als auch ein Rad mit angeschlossen werden können.

Link zu Studie: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/f3QK6jdcgN3YGNe

Kartenübersicht zu allen sächsischen Bahnhöfen: www.adfc-sachsen.de/bikeandride

Förderprogramm des Bundesumweltministeriums: https://www.klimaschutz.de/bikeandride

ADFC Sachsen empört über die Ambitionslosigkeit von Ministerpräsident Kretschmer

Heute haben Bundestag und Bundesrat mit dem Kohleausstieg auch das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Kritik an dem Beschluss kommt nicht nur von Umweltverbänden und der Opposition, sondern auch vom Allgemeinen Deutschen Fahhrad-Club (ADFC) Sachsen. Der Entwurf des Gestzes sah eigentlich vor, die Radinfrastruktur in der Region besonders auszubauen. Dieser Absatz wurde jedoch vor der Abstimmung gestrichen.

In den sächsischen Braunkohlenregionen wünschen sich schon jetzt 59% mehr Engagement für sicheren Radverkehr. 60% gaben an, dass sie sich momentan noch auf dem Rad gefährdet fühlen. Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Niklas Schietzold, Vorsitzender des ADFC Sachsen, zeigt sich bestürzt über die ersatzlose Streichung der Radverkehrsförderung: "Die Große Koalition in Berlin hat das Potential des Fahrrads völlig ignoriert. Es ist doch aber klar, dass junge und gut ausgebildete Leute nicht wegen Autobahnen und Lkw-Straßen in die Lausitz kommen. Ohne sichere Radverkehrsnetze locken wir heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor! Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport karren muss, und auch selbst nicht sicher mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend. Das will heute keiner mehr, wenn er es sich aussuchen kann."

Studien zeigen, dass immer mehr junge Menschen sich für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel entscheiden und immer öfter keinen Führerschein mehr haben. "Wenn der Strukturwandel in der Lausitz ein Erfolg werden soll, dann brauchen wir Angebote, die für die jungen und qualifizierten Absolventen aus den Universitätsstädten attraktiv sind. An jedem Tag das Auto nehmen zu müssen, ist für viele einfach keine Option mehr. Wirtschaftsförderung ist heute eben mehr als große Straßen für breite Lkw zu bauen" erklärt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Ich kann nicht verstehen, wie Ministerpräsident Kretschmer, der sich als Kenner ländlicher Strukturen versteht, so ein völlig rückwärtsgewandtes Maßnahmepaket mitträgt." ergänzt ADFC-Vorsitzender Schietzold.

Der ADFC hatte sich in der vergangenen Woche an viele Abgeordnete in Berlin und auch an die sächsische Staatsregierung gewandt, in der Hoffnung, dass die Große Koalition wenigstens den halbherzigen Halbsatz zur  Fahrradförderung im Strukturwandelgesetz stehen lässt. Zuvor hatte die Große Koalition in einer Nacht- und Nebelaktion die Fahrradförderung aus dem Kohleausstiegsgesetz gestrichen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass nur noch wirtschaftsfördernde Maßnahmen gefördert werden. Die Koalition ignorierte jedoch damit die Mobilitätsbedürfnisse vieler junger Menschen.  Auch die Bedeutung des Radtourismus fand keinerlei Beachtung.

Hintergrund:
Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs will der ADFC den Kohleausstieg als Chance nutzen, um die Lausitz zu einer deutschen Vorreiterregion zu machen, indem der Bund das Radwegenetz an Bundesstraßen ausbaut und Pendlern in die Ballungszentren das Leben leichter gemacht wird, indem sie statt das Auto nutzen zu müssen, leichter mit Rad und Bahn zum Ziel kommen. Dafür fordert der Fahrradclub bis 2025 Abstellanlagen und Radstationen an allen Bahnhöfen im Revier.


Quellen:
   
Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

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