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ADFC fordert: Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen

Die Fahrrad-Datenbank der Polizeidirektion Leipzig wird nicht regelmäßig mit neuen Einträgen befüllt. Dies zeigen aktuelle Recherchen des MDR. Bürger, die ihre Räder in Leipzig registrieren lassen, können nicht damit rechnen, dass die Registrierungen zeitnah in die Datenbank der Polizei eingepflegt werden, damit diese im Fall eines Diebstahls schneller zugeordnet werden können. Die Polizeidirektion räumte ein, dass es aufgrund personeller Engpässe deutliche Verzögerungen gibt. Darüber hinaus bestehen wohl technische Probleme bei der Eintragung in die Datenbank. Jene Datenbank wird aber ohnehin nur von der Polizeidirektion Leipzig genutzt. Außerhalb ihres Gebietes findet die Datenbank keine Anwendung.

Janek Mücksch, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, kritisiert das Verfahren der Polizei Leipzig: „Bei dem Leipziger Modell der Fahrradregistrierung handelt es sich um eine Insellösung. Sie wird nur in Leipzig genutzt. Es ist äußerst zweifelhaft, dass Polizisten in anderen Teilen der Republik gestohlene Räder aus Leipzig zurückverfolgen können.“ Dabei existieren dezentrale Lösungen wie die EIN-Codierung, bei der ein individualisierter Code am Rad dauerhaft mit einer Nadel eingeprägt wird. Dieses Verfahren ist bundesweit bei Verkehrswachten, Polizeieinheiten und zivilgesellschaftlichen Akteuren akzeptiert. Vor allem in Hessen, aber auch in Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird dieses Verfahren bereits erfolgreich praktiziert. „Das Leipziger System ist veraltet und höchst unsicher. Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen und ein modernes Verfahren in der Polizeidirektion Leipzig etablieren. Anders ist dem Problem des Fahrraddiebstahls in Leipzig nicht beizukommen“ sagt Mücksch.

Anders als viele Polizeidirektionen bundesweit arbeitet die Polizei Leipzig auch mit Aufklebern anstelle von Nadelcodierungen. Um diese Aufkleber zu entfernen, ist nur wenig kriminelle Energie notwendig. Der ADFC empfiehlt daher, statt des Aufklebers eine Nadelcodierung zu verwenden, da ein solcher Code sich nicht mehr entfernen lässt.

Hintergrund:

Bei der EIN-Codierung wird das Fahrrad mit einer Signatur gekennzeichnet, die in verschlüsselter Form die Wohnadresse und die Initialen des Besitzers enthält. Mithilfe des Codes kann die Polizei innerhalb von Sekunden ohne eine Datenbankabfrage die Adresse des Eigentümers ermitteln. Da die Codierung auch mit dem aktuellen Jahr versehen wird, sind Umzüge oder Namensänderungen kein Problem. Der individuelle Code wird mit einer Nadel in den Rahmen geprägt. Ein durchsichtiger Aufkleber schützt anschließend vor Korrosionen.

Leipzig gilt als Hochburg des Fahrraddiebstahls. Rund die Hälfte der angezeigten Fahrraddiebstähle im Freistaat Sachsen findet in der Messemetropole statt. 2019 wurden in Sachsen 21.021 Fahrraddiebstähle zur Anzeige gebracht, 12.084 davon im Gebiet der Polizeidirektion Leipzig. Während die Aufklärungsquote sachsenweit bei 11,6% liegt, beträgt die Quote in Leipzig nur 7,7%. Alle sächsischen Landkreise sowie Dresden und Chemnitz weisen bessere Erfolgsquoten auf. Der ADFC geht davon aus, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches größer ist.

 

Weitere Informationen:

Recherche-Ergebnisse des MDR vom 19. Juli

Informationen zur FEIN-Methode

Darstellung der FEIN-Methode in einem Video

Code-Generator des FEIN-Codes

ADFC erfreut: Streifenwagen der Polizei weisen nun auf den Mindestabstand von 1,50 Metern hin

Seit heute machen Aufkleber auf den Streifenwagen der Polizei Dresden auf den Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden aufmerksam. Die Kampagne sensibilisiert für sichere Überholmanöver im Straßenverkehr. Außerdem führte die Polizei heute in Begleitung von Innenminister Roland Wöller auf der Chemnitzer Straße in Dresden Abstandskontrollen durch. Die Polizei reagiert damit auf Änderungen in der Straßenverkehrsordnung: seit April definiert sie einen Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrenden. Außerorts beträgt der verpflichtende Abstand 2 Meter.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, freut sich über die wichtige Aufklärungsarbeit der Polizeidirektion Dresden: „Innenminister Wöller und die Polizeidirektion Dresden haben richtig erkannt, dass zu knappe Überholvorgängen gefährlich sind. Die neuen Hinweise auf den Einsatzwagen sensibilisieren für sicheres Überholen.“ 76% der Rad fahrenden in Sachsen geben an, dass sie regelmäßig zu knapp überholt werden. Das zu enge Überholen von Autos ist der Hauptgrund, warum Menschen auf die Fahrt mit dem Rad verzichten.. Eine großangelegte Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass in 56% der Überholvorgänge zu eng, also mit weniger als 1,50 Metern Abstand überholt wird. „Es freut mich, dass das Innenministerium die langjährige Forderung des ADFC aufgegriffen hat. Aufklärungsarbeit ist für die moderne Polizei unverzichtbar. Ich freue mich außerdem, dass die Polizei Sachsen nun regelmäßig Überholabstände kontrollieren wird“ sagt Krause.

Nicht zufällig wurde die Chemnitzer Straße in Dresden als Kontrollort gewählt. Sehr schmale Schutzstreifen suggerieren hier fälschlicherweise, dass man mit dem Auto knapp am Radverkehr vorbeifahren kann. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ein Rechtsgutachten der Unfallforschung der Versicherer zeigte schon 2018, dass der Mindestabstand beim Überholen auch bei Schutz- und Radfahrstreifen gilt. Seit der letzten Novellierung der Verkehrsregeln ist der verbindliche Überholabstand nun Teil der StVO, dies gilt sowohl auf gemischten Fahrbahnflächen als auch, wenn Rad fahrende auf Schutzstreifen oder Radfahrstreifen überholt werden.

 

Hintergrund

Seit der letzten Aprilwoche definiert die StVO beim Überholen von Radfahrenden einen Mindestabstand von 1,50 Metern innerorts und zwei Metern außerorts. Zuvor gab es nur Gerichtsurteile, die den Mindestabstand festlegten.

Der Tagesspiegel hat 2018 in Berlin über zehn Wochen hinweg bei 100 Radfahrenden den Überholabstand von Autos messen lassen. Über 16.000 Datensätze sind so entstanden. Die Ergebnisse sind schockierend: In 56% aller Fälle wurde der Mindestabstand von 1,50 m nicht eingehalten. Bei 18% aller Überholmanöver betrug der Abstand zwischen Auto und Rad weniger als einen Meter und in über einem Prozent aller Fälle wurden die Radfahrenden mit weniger als 50 Zentimeter Abstand überholt.

Die Angst, durch knappe Überholmanöver in einen Unfall verwickelt zu werden ist für viele Menschen ein Hinderungsgrund, auf das Fahrrad umzusteigen. In der begleitenden Umfrage des Tagesspiegels gaben 90% der Radfahrenden an, zu eng überholende Autos als Hauptgefahr im Straßenverkehr zu sehen.

Fahrradklima-Test des ADFC zu Überholvorgängen in Sachsen: https://adfc-sachsen.de/705

Radmesser des Tagesspiegels: https://interaktiv.tagesspiegel.de/radmesser

Rechtsgutachten der UdV: https://repository.difu.de/jspui/bitstream/difu/256762/1/DS1920.pdf

ADFC Sachsen empört über die Ambitionslosigkeit von Ministerpräsident Kretschmer

Heute haben Bundestag und Bundesrat mit dem Kohleausstieg auch das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Kritik an dem Beschluss kommt nicht nur von Umweltverbänden und der Opposition, sondern auch vom Allgemeinen Deutschen Fahhrad-Club (ADFC) Sachsen. Der Entwurf des Gestzes sah eigentlich vor, die Radinfrastruktur in der Region besonders auszubauen. Dieser Absatz wurde jedoch vor der Abstimmung gestrichen.

In den sächsischen Braunkohlenregionen wünschen sich schon jetzt 59% mehr Engagement für sicheren Radverkehr. 60% gaben an, dass sie sich momentan noch auf dem Rad gefährdet fühlen. Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Niklas Schietzold, Vorsitzender des ADFC Sachsen, zeigt sich bestürzt über die ersatzlose Streichung der Radverkehrsförderung: "Die Große Koalition in Berlin hat das Potential des Fahrrads völlig ignoriert. Es ist doch aber klar, dass junge und gut ausgebildete Leute nicht wegen Autobahnen und Lkw-Straßen in die Lausitz kommen. Ohne sichere Radverkehrsnetze locken wir heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor! Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport karren muss, und auch selbst nicht sicher mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend. Das will heute keiner mehr, wenn er es sich aussuchen kann."

Studien zeigen, dass immer mehr junge Menschen sich für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel entscheiden und immer öfter keinen Führerschein mehr haben. "Wenn der Strukturwandel in der Lausitz ein Erfolg werden soll, dann brauchen wir Angebote, die für die jungen und qualifizierten Absolventen aus den Universitätsstädten attraktiv sind. An jedem Tag das Auto nehmen zu müssen, ist für viele einfach keine Option mehr. Wirtschaftsförderung ist heute eben mehr als große Straßen für breite Lkw zu bauen" erklärt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Ich kann nicht verstehen, wie Ministerpräsident Kretschmer, der sich als Kenner ländlicher Strukturen versteht, so ein völlig rückwärtsgewandtes Maßnahmepaket mitträgt." ergänzt ADFC-Vorsitzender Schietzold.

Der ADFC hatte sich in der vergangenen Woche an viele Abgeordnete in Berlin und auch an die sächsische Staatsregierung gewandt, in der Hoffnung, dass die Große Koalition wenigstens den halbherzigen Halbsatz zur  Fahrradförderung im Strukturwandelgesetz stehen lässt. Zuvor hatte die Große Koalition in einer Nacht- und Nebelaktion die Fahrradförderung aus dem Kohleausstiegsgesetz gestrichen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass nur noch wirtschaftsfördernde Maßnahmen gefördert werden. Die Koalition ignorierte jedoch damit die Mobilitätsbedürfnisse vieler junger Menschen.  Auch die Bedeutung des Radtourismus fand keinerlei Beachtung.

Hintergrund:
Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs will der ADFC den Kohleausstieg als Chance nutzen, um die Lausitz zu einer deutschen Vorreiterregion zu machen, indem der Bund das Radwegenetz an Bundesstraßen ausbaut und Pendlern in die Ballungszentren das Leben leichter gemacht wird, indem sie statt das Auto nutzen zu müssen, leichter mit Rad und Bahn zum Ziel kommen. Dafür fordert der Fahrradclub bis 2025 Abstellanlagen und Radstationen an allen Bahnhöfen im Revier.


Quellen:
   
Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

ADFC-Studie zeigt: Nur 20% der Stationen verfügen über sichere Abstellanlagen

Zwei von fünf Bahnhöfen in Sachsen verfügen über keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bei weiteren 20% sind diese äußerst mangelhaft. Dies zeigt eine Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, die heute in Dresden vorgestellt wurde. In der Untersuchung erfasste der ADFC die Qualität und Anzahl der Fahrradabstellanlagen aller 521 sächsischen Bahnhöfe und bewertete sie mit Schulnoten. Während 60% der Bahnhöfe den Test nicht bestanden, erreichten immerhin 20% Note 1 oder 2. An diesen 101 Bahnhöfen kommt auf jeden zehnten einsteigenden Fahrgast mindestens eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit.

Gerade Bahnhöfe gelten als Hotspots des Fahrraddiebstahls, weil die Zahl der abgestellten Räder dort meist hoch und die soziale Kontrolle oft gering scheint. Mit der zunehmenden Nutzung von E-Bikes und hochwertigen Rädern steigen auch die Ansprüche an sichere Fahrradabstellmöglichkeiten. Damit sich mehr Menschen trauen ihr Rad am Bahnhof abzustellen, müssen die Bahnhöfe mit modernen Abstellanlagen ausgestattet sein.

„Diebstahlsichere Abstellanlagen kosten wenig Geld und machen das Pendeln mit der Bahn attraktiver. Kommunen und Verkehrsverbünde sollten an den mangelhaften Bahnhöfen schnell nachbessern“ fordert Mücksch, Vorstandsmitglied im ADFC Sachsen.

Der ADFC empfiehlt, für jeden siebenten Einsteiger eine diebstahlsichere Abstellmöglichkeit bereitzustellen. Im Idealfall kommt an den größeren Stationen auf jeden 200. Fahrgast darüber hinaus ein Platz in einer Fahrradbox oder einer Sammelschließanlage. Solche Abstellmöglichkeiten senken die Hürde, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren weiter und erhöhen dadurch den Einzugsradius des Bahnhofs. Nur die Bahnhöfe in Delitzsch, Oschatz und Neukieritzsch erfüllen diese Kriterien. Der ADFC fordert darüber hinaus, die 25 wichtigsten Stationen im Freistaat bis 2030 mit Fahrradstationen auszustatten.

Fast eine Million Sachsen pendeln täglich zur Arbeit, vor allem im ländlichen Raum. 79% der Beschäftigten in sächsischen Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern fahren jeden Tag in eine andere Stadt auf Arbeit. „Pendler stehen täglich vor der Wahl welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für sehr viele ist die Kombination von Rad und Bahn die intelligenteste Lösung.“ sagt Janek Mücksch.

Zwischen den sächsischen Landkreisen existieren teils erhebliche Unterschiede. Während im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Abstellanlagen im Mittel nur Note 5,1 erreichten, erhielten die Landkreise Leipzig und Bautzen durchschnittlich die Schulnote 3,6. Hier verfügen 42% der Bahnhöfe über eine gute Ausstattung. Die sächsischen Großstädte schnitten in der Studie nicht gut ab. In Leipzig verfügen 55% der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellanlagen. In Dresden sind es 73% und in Chemnitz sogar 77%.

Hintergrund:

Die durchschnittliche Qualität der Fahrradparker unterscheidet sich nicht nur zwischen den Landkreisen, sondern auch nach Städtegröße. In den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz haben 70% der Stationen keine oder nur mangelhafte Abstellanlagen. In Zwickau, Plauen und Görlitz sind es sogar 75%. In den Mittelstädten mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern liegt diese Quote dagegen nur bei 40%. In kleinen Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern beträgt der Anteil der Bahnhöfe ohne oder mit mangelhaften Fahrradparkern wiederum 74%.

Der ADFC Sachsen erfasste die Qualität und Quantität der Fahrradabstellanlagen an allen 521 sächsischen Bahnhöfen und Haltepunkten. Die Ergebnisse sind größtenteils ernüchternd: 209 Stationen verfügen über gar keine Abstellanlagen und bei 102 weiteren sind sie äußerst mangelhaft. Hier kommen auf 33 Fahrgäste weniger als ein diebstahlsicherer Abstellplatz oder es gibt nur einfache Vorderradhalter. An solchen Felgenklemmern kann durch ein einfaches Abschrauben des Vorderrades das Fahrrad entwendet werden. Daher ist es wichtig, dass sowohl der Rahmen als auch ein Rad mit angeschlossen werden können.

Link zu Studie: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/f3QK6jdcgN3YGNe

Kartenübersicht zu allen sächsischen Bahnhöfen: www.adfc-sachsen.de/bikeandride

Förderprogramm des Bundesumweltministeriums: https://www.klimaschutz.de/bikeandride

ADFC und BUND protestieren vor sächsischer Staatskanzlei gegen Abwrackprämie

Unter dem Motto "Staatsregierung wachklingeln" demonstrierten ADFC und BUND heute vor der Staatskanzlei in Dresden. Mit der Aktion machten die Verbände auf die kontroversen Äußerungen des Ministerpräsidenten aufmerksam, der in den letzten Wochen wiederholt eine Autokaufprämie gefordert hatte, um angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise wirtschaftliche Impulse zu setzen.

Mit einem zehnminütigen Fahrradklingelkonzert folgten 200 Demonstrierende dem Aufruf des ADFC und des BUND und versuchten so, die Staatsregierung symbolisch aus ihrem verkehrs- und klimapolitischen Alptraum zu wecken.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, zeigt sich schockiert über die Pläne des Ministerpräsidenten: "Die Autokaufprämie ist eine Geldausschüttung an Leute, die sich ohnehin ein neues Auto leisten können. Sie ist verkehrspolitisch kontraproduktiv, denn statt Mobilität würde sie neuen Stau in die Städte bringen und die Konkurrenz um die ohnehin knappen Flächen verschärfen."

Als Gegenentwurf formulierte der ADFC in einem bundesweiten Unternehmer- und Verbändebündnis eine diskriminierungsfreie "Mobilitätsprämie für Alle", die beispielsweise Fahrradkäufe, Nahverkehrsabonnements oder das Car-Sharing unterstützt.

„Was Deutschland jetzt braucht, sind nicht Prämien für die Anschaffung neuer Autos, sondern Anreize, das Verkehrssystem komplett umzubauen: hin zu weniger Autos und die elektrisch betrieben und zu mehr Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr. Und letztere müssen verstärkt subventioniert werden, nicht eine Dinosauriertechnologie, die schon vor Corona die Zeichen der Zeit nicht gehört hat.“ ergänzt David Greve, Geschäftsführer des BUND Sachsen am Dienstag in Dresden.

Hintergrund

Durch Corona hat sich das Leben fast aller Menschen in Deutschland schlagartig verändert. Sie stehen jetzt vor der Entscheidung, wie sie ihre Mobilität nach dem Lockdown neu organisieren.

Seit Wochen führen Automobilverbände und Spitzenpolitiker quer durch das ganze Land eine Diskussion, ob die Verkaufszahlen der deutschen Automobilindustrie mithilfe einer Kaufprämie gestützt werden sollten. Wie der ARD-DeutschlandTrend zeigt, befürworten nur 12% der Deutschen ein solches Vorhaben. Darüber hinaus haben sich auch die fünf "Wirtschaftsweisen" gegen eine "Abwrackprämie" ausgesprochen.

Davon unbeeindruckt scheinen neben Sachsens Ministerpräsident Kretschmer auch andere Spitzenpolitiker nicht von ihren Entscheidungen abrücken zu wollen. Der zunächst für den 2. Juni geplante "Automobilgipfel" im Kanzleramt ist zwar verschoben, ADFC und BUND sehen noch längst keinen Grund zur Entwarnung.

ADFC Sachsen fordert provisorische Radwege auf Hauptverkehrsachsen

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise empfehlen Ärzte und Behörden, für die notwendigen Wege möglichst das Fahrrad zu nutzen. Die nicht ungefährliche Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soll so vermieden werden. Gleichzeitig hält Bewegung an der frischen Luft den Kreislauf in Schwung und erhöht die körperliche Fitness.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen plädiert dafür, dass den Empfehlungen der Ärzte und Fachleute auf das Fahrrad zu steigen, nun auch Taten an der Infrastruktur folgen. Nach Bogotá, New York und Kopenhagen hat nun mit Berlin die erste deutsche Stadt entlang einzelner großer Hauptstraßen Autospuren zu Radspuren umgewidmet.

„In den letzten Tagen erreichen mich viele Berichte von Personen, die zum ersten Mal ihren Arbeitsweg mit dem Rad bestreiten. Wir müssen in dieser Krise den Menschen schnellstmöglich eine gute Infrastruktur anbieten und Lücken im Netz provisorisch schließen, damit sie das Rad nutzen“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Der ADFC fordert daher, Autospuren zu Radspuren umzuwidmen, wenn mehr als eine Autospur pro Richtung zur Verfügung steht. Im Idealfall sind diese Radspuren wie in Berlin mit Pollern geschützt. „Mehr Platz für das Rad bedeutet auch, dass sich die Radfahrenden stärker verteilen und auch nicht mit Fußgängern in Konflikt kommen. Das minimiert nicht nur Unfälle, sondern auch das Infektionsrisiko“ sagt Krause. Zusätzlich wurden in Berlin an vielen Kreuzungen auch die Aufstellflächen für Radfahrende vergrößert. Auch so kann verhindert werden, dass sich zu große Pulks von Radfahrenden bilden.

Drei Tage lagen in Berlin zwischen Planung und der Umwidmungen der Fahrspuren. Die blitzschnellen Anpassungen zeigen, wie akut der Handlungsdruck ist. Die Umwidmung von Fahrspuren zu Radwegen ist zudem auch unproblematisch, da sich der Autoverkehr in den letzten Tagen ohnehin deutlich verringert hat, teils um mehr als zwei Drittel. Die Berliner Senatsverwaltung hat Rad- und Autoverkehr dabei mit Markierungen, Piktogrammen und Baken voneinander getrennt. Weitere Anpassungen sind geplant.

Um die Corona-Krise auch im Straßenverkehr zu bekämpfen, fordert der ADFC Sachsen jetzt Sofortmaßnahmen der Städte. Diese können Autospuren zu Radwegen umwidmen und vor Kreuzungen größere Aufstellflächen für Radfahrer schaffen. Daneben müssen dringend auch Tast-Ampeln abgeschaltet werden. Viele Ampeln schalten für den Rad- und Fußverkehr nur auf Grün, wenn ein Taster betätigt wird. "Die so genannten Betteltaster sind absolut unnötige Infektionsschleudern, die sehr einfach eliminiert werden können. Die Straßenbaubehörden sind hier in der Pflicht, Ampeln für Fußgänger und Radfahrer einfach in jeder Umlaufphase auf "grün" zu schalten." so Konrad Krause vom ADFC.

Seit Freitag ist klar, dass in den kommenden Wochen soziale Kontakte massiv eingeschränkt werden müssen, um die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle zu bringen. Dieses gesamtgesellschaftliche Ziel teilt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Gelingen wird uns das aber nur, wenn jeder Einzelne sich bemüht, die Zahl vermeidbarer sozialer Kontakte drastisch zu minimieren." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Eine Möglichkeit dies zu tun ist der Verzicht auf Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr, sofern das irgendwie möglich ist. Denn hier ist die Zahl unterschiedlicher sozialer Kontakte jedes Mal extrem hoch, die Verbreitung des Virus demzufolge auch. Allen Berufspendlern, die ihre Arbeit nicht ins Home Office verlagern können, empfiehlt der ADFC für den Weg zur Arbeit daher auf das Fahrrad umzusteigen: "Jeder, der statt Straßenbahn und Bus jetzt das Rad nimmt, senkt die Zahl unnötiger Kontakte und reduziert damit die Geschwindigkeit, mit der sich das Corona-Virus ausbreitet. Gleichzeitig sinkt natürlich auch das Risiko, sich selbst bei anderen Fahrgästen anzustecken." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Wenn sich weniger Menschen in Busse und Bahnen drängen, senkt das dort für jeden Einzelnen die Ansteckungsgefahr, gerade auch für die Risikogruppen und für Menschen, die nicht auf das Fahrrad ausweichen können.

Das Auto sieht ADFC-Geschäftsführer Krause indes nicht als brauchbare Alternative zum ÖPNV: "Wenn im Berufsverkehr nur ein paar Prozent mehr Menschen vom öffentlichen Verkehr in das Auto umsteigen, dann hätten wir in den Städten sofort ein Verkehrschaos. Alle stünden gemeinsam im Stau und keiner käme mehr voran. Wenn jetzt alle besonnen und schlau agieren, indem sie aufs Rad steigen, können wir auch in Zeiten von Corona einem Verkehrskollaps entgehen"

"Alle, die dazu körperlich in der Lage sind, sollten daher aufs Fahrrad umsteigen, wenigstens für die Zeit mit der größten Ansteckungsgefahr" sagt Krause. Diese Forderung vertreten neben dem ADFC auch bekannte Virologen wie der Freiburger Prof. Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums.

Am wichtigsten bei der Bekämpfung des Virus ist nach Expertenmeinung nun, die Ausbreitung hinauszuzögern, sodass die medizinischen Kapazitäten der Ärzte und Krankenhäuser möglichst zu keinem Zeitpunkt überlastet werden. Eine maximale Verringerung der sozialen Kontakte gehört dazu ebenso wie Schulschließungen und die Verlagerung aller denkbaren Arbeit ins Home Office. Letzteres macht auch der ADFC konsequent. "Ich habe die Angestellten unserer Geschäftsstelle bis auf weiteres nach Hause geschickt" sagt Krause. "Wir arbeiten ohnehin viel über Telefonkonferenzen und in der Cloud, sodass wir vom Corona-Virus nur wenig eingeschränkt sind."

Der ADFC habe außerdem seine Radtouren und alle größeren Veranstaltungen abgesagt. Als einer der größten Vereine in Deutschland habe der ADFC eine Rolle als gesellschaftliches Vorbild. Krause ist überzeugt, dass die Pandemie gut überstanden werden kann, wenn jetzt jeder seinen Teil dafür tut, dass die Ausbreitung des Corona-Virus gebremst wird.

Heute haben die Mitglieder des ADFC Sachsen auf ihrer Landesversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Niklas Schietzold ist neuer Vorsitzender des ADFC Sachsen. Er übernimmt das Amt von Olaf Matthies, der es die letzten acht Jahre inne hatte und nicht wieder zur Wahl angetreten ist. Neu im Vorstand des ADFC Sachsen sind Maria Kreußlein aus Chemnitz und Janek Mücksch aus Dresden. Weitere Mitglieder des Vorstands sind Rolf Leonhardt aus Dresden sowie René Gerullis und Michael Berninger aus Leipzig. Der neue Vorstand ist für zwei Jahre gewählt.

Der ADFC Sachsen kann auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken: Mit 1362 Neueintritten wuchs der sächsische ADFC im letzten Jahr um mehr als 17% auf 6.800 Mitglieder - doppelt so schnell wie in den Jahren zuvor. Der Fahrradclub ist inzwischen einer der größten Vereine in ganz Sachsen und der am schnellsten wachsende Landesverband des ADFC. Ein besonderer Schwerpunkt des Vereins waren im letzten Jahr die Kommunal- und Landtagswahlen, wo die Aktiven des ADFC mit Aktionen, Podiumsdiskussionen und Fachpapieren die Herausforderungen moderner Mobilität und die Mängel im Radwegenetz aus dem Schatten in die Mitte der politischen Diskussion holen konnten.

"Radfahren liegt im Trend und die Sachsen sind immer weniger bereit, Mängel und Gefahrenstellen im Radwegenetz einfach hinzunehmen. Gerade in der Mobilitätspolitik erwarten die Menschen keine Scheinlösungen von selbstfahrenden Autos oder Flugtaxis. Sie wollen etwas viel Einfacheres: Endlich sicher Rad fahren. Und es wundert mich eigentlich nicht, dass man zum, Beispiel auf einen Radweg in den Nachbarort jetzt nicht unbedingt weitere 20 oder 30 Jahre warten will." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. In der großen Lücke zwischen politischen Versprechungen und der Realität sieht Krause auch den Grund, warum immer mehr Leute den ADFC als starke Stimme für das Fahrrad unterstützen. Mit dem Motto "Mehr Platz Fürs Rad" formuliere der ADFC daher ganz genau das Ziel einer gerechteren und realistischeren Verkehrsplanung, die sich vor allem an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.

 

Über den ADFC

In den neun sächsischen Ortsgruppen des ADFC engagieren sich über 250 Menschen regelmäßig in ihrer Freizeit. 2019 organisierte der ADFC sachsenweit über 20 Rad-Demonstrationen und 300 Radtouren mit über 4000 Teilnehmern. Außerdem berät der Fahrradclub zu technischen Fragen rund ums Fahrrad und setzt sich vor Ort für eine fahrradfreundliche Verkehrsplanung ein. Viele Ortsgruppen bieten auch Serviceleistungen für ihe Mitglieder an. Etwa die sehr beliebte Fahrradcodierung, durch die Langfinger vom Rad-Diebstahl abgehalten werden sollen. ADFC-Mitglieder profitieren außerdem von der ADFC-Pannenhilfe, die im Fall einer Havarie Rad und Fahrer unter die Arme greift und, sofern notwendig, bis zur nächsten Fahrradwerkstatt bringt.

Auch bundesweit setzt sich der ADFC für die Verkehrswende ein. Bundesweit ist der Fahrradclub mit mehr als 185.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Bilanz 2019: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/cN6CRqCyD7cwcgD

Am 23. August 2019, nur wenige Tage vor der Landtagswahl verkündete Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig, entgegen den ursprünglichen Planungen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (LASuV) den Bau eines Radwegs an de S 161 zwischen Stürza und Heeselicht mit Nachdruck voranzutreiben. Dafür setzte er die Planung ohne Radweg aus.

Anfang Januar 2020 war den Medien nun zu entnehmen, dass die Sanierung der Fahrbahn ohne den Bau eines Radwegs erfolgen soll, ungeachtet der Versprechen des Verkehrsministers. Sowohl Anwohner, die örtliche Bürgerinitative wie auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden sind empört: Sie wünschen sich den schnellen Bau des Radwegs, so wie vom Minister in Aussicht gestellt.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, zeigt sich darüber verwundert: „Der Zickzack-Kurs lässt vermuten, dass die Baumaßnahme für den Verkehrsminister an Priorität verloren hat. Wir fragen uns, ob das LASuV hier überhaupt in Übereinstimmung mit dem Minister agiert.“

„Politisch wäre es ein schwerer Fehler, die Sache jetzt laufen zu lassen. Martin Dulig muss sich einschalten und zu seinem Wahlversprechen stehen. Wenn jetzt Tatsachen geschaffen werden, die den Bau eines Radwegs erschweren oder gar verhindern, schadet das nicht nur Duligs Glaubwürdigkeit. Das wäre auch ein fatales Zeichen, wie die sächsische Landesverwaltung mit den berechtigten Interessen der Bürger vor Ort umgeht.“

Hintergrund

Bei der S 161 handelt es sich um einen Abschnitt des ehemaligen „Deutschlandrings“, einer Motorradrennstrecke mit Fahrbahnbreiten von bis zu 20 Metern. Zur selben Strecke gehört auch der 2018 verschmälerte Abschnitt der S 163 zwischen Stürza und Hohburkersdorf. Auch hier wäre Platz für einen Radweg gewesen, doch durch die Straßenführung und die Bauausführung ist der nachträgliche Anbau eines Radwegs trotz großzügigen Breite der Flurstücke nahezu unmöglich.

Dennoch kämpft die Bürgerinitiative um Helmar Nestroy und Konrad Weber unermüdlich dafür, dass genau dies bald geschieht. Die Bürgerinitiative versuchte schon an der S 163, statt eines überstürzten Straßenbaus einen Radweg in die vorhandenen Flächen mit einzuordnen, so wie seit Sommer 2019 an der in unmittelbarer Nähe verlaufenden S 161. Beim zweiten Projekt schien sich ihre Arbeit auszuzahlen: Ende August 2019, kurz vor der Landtagswahl, versprach Martin Dulig, Sachsens alter und neuer Verkehrsminister und Spitzenkandidat der SPD, die Planung ohne Radweg zu stoppen und einen solchen noch in die Planung einzufügen. Für nicht wenige entsteht im Moment der Anschein, dass es sich dabei um das erste gebrochene Wahlversprechen des Ministers handelt.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen fordert Sachsens Ministerpräsident Kretschmer dazu auf, das derzeit in der Diskussion befindliche Strukturstärkungsgesetz stärker für den Ausbau eines flächendeckenden Radwegenetzes zu nutzen. Der Ministerpräsident hat sich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder öffentlichkeitswirksam zum Strukturwandel in der Lausitz und dem Leipziger Kohlerevier geäußert. Dabei fand er mit zahlreichen Vorschlägen öffentliche Aufmerksamkeit, der Bau sicherer Radwegenetze gehörte jedoch nicht dazu.

"Die Strukturentwicklung sollte auf den Ausbau von moderner Infrastruktur fokussieren", meint Olaf Matthies, der Vorsitzende des ADFC Sachsen. "Radwege sind dabei ein wesentliches Element wie auch die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsmittel untereinander. Wenn die sächsische Regierung will, dass die Ortschaften nicht zu reinen Schlafstädten verkommen, muss sie mit den Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes mehr für attraktive und lebenswerte Strukturen vor Ort tun. Zu lebenswerten Gemeinden gehört heute unverzichtbar ein ausgebautes Radwegenetz dazu. Der Ministerpräsident sollte daher den Radwegeausbau an Bundesstraßen flächendeckend vorantreiben. Denn wenn Radfahren bequem und sicher ist, lassen die Menschen nicht nur in der Stadt, sondern auch in ländlichen Regionen für den Weg zur Arbeit im Gewerbegebiet, die Schule oder den Markt im Nachbarort das Auto öfter stehen."

Die neue Sächsische Staatsregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag umfassend dem Thema der Braunkohlefolgeregionen gewidmet. Darin steht unter anderem: "Die Verbesserung der überregionalen Erreichbarkeit und Vernetzung der Lausitz und des Mitteldeutschen Reviers ist ein wichtiger Baustein für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung beider Regionen."

In der Sächsischen Radverkehrskonzeption 2014 und ihrer Neuauflage 2019 sind bereits viele straßenbegleitende Radwege an Bundesstraßen vorgesehen mit hoher Ausbaupriorität festgeschrieben. Leider ist bislang nur ein Bruchteil der bis 2025 geplanten Maßnahmen umgesetzt worden. "Die Mittel aus dem Kohletopf könnten hier eingesetzt und zum Beispiel in weitere Planerstellen im LASuV investiert werden", so Matthies. Der ADFC hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass der Freistaat wegen Personalmangel mit der Planung neuer Radwege nur extrem langsam vorankommt. Viele Gemeinden warten mittlerweile schon 15 oder sogar 20 Jahre auf ortsverknüpfende Radwegeverbindungen.


Hintergrund

Mit dem Strukturstärkungsgesetz hat die Bundesregierung den den vom Kohleausstieg betroffenen Landkreisen Milliardenhilfen zugesagt. Diese sollen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Ansiedlung von Unternehmen und nicht zuletzt zum Ausbau der Infrastruktur dort genutzt werden, wo heute noch vieles von der Braunkohle abhängt. Im Freistaat betrifft das vor allem die Landkreise Leipzig, Nordsachsen, Bautzen und Görlitz.

Während in Brandenburg beispielsweise die B 107 im Sommer letzten Jahres bis zur südlichen Landesgrenze im Fläming mit einem breiten Radweg versehen wurde, hat sich im sächsischen Teil dieser Bundesstraße bisher wenig getan. Dabei sind in der Sächsischen Radverkehrskonzeption bereits 2014 mehrere Abschnitte der B 107 zwischen Grimma, Trebsen und Bennewitz, sowie zwischen Eilenburg und Kossen mit der höchsen Ausbaupriorität A versehen worden. Zwar gibt es für Radtouristen den Mulderadweg, doch der ist mit seiner verschlungenen Wegführung und der teils schlechten Oberflächenqualität keine Alternative für Pendler zwischen den Ortschaften. Auf der vielbefahrenen Bundesstraße fühlen sich Radfahrer auf der Fahrbahn zu Recht unsicher, werden sie doch oft knapp und mit hoher Geschwindigkeit überholt und bedrängt. Immer wieder kommt es in der Umgebung von Bennewitz, wo sich B 107 und B 6 kreuzen, zu Unfällen wegen überhöhter Geschwindigkeit. Eine Trennung von Rad- und motorisiertem Verkehr würde hier die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer deutlich erhöhen und für viele die Nutzung des Fahrrads überhaupt erst möglich machen.

Beispiele wie an der B 107 gibt es noch an weiteren Bundesstraßen in Sachsen, viele im Bereich der (ehemaligen) Kohleförderregionen. Auch an der B2 zwischen Leipzig und Hohenossig oder der B 115 zwischen Schöpstal und Niesky fordern Anwohner schon seit längerem einen straßenbegleitenden Radweg, um ihre Alltagswege mit dem Fahrrad bequem und sicher zurücklegen zu können.

Weiterführende Informationen

ADFC-Pressemitteilung zur B 115: https://adfc-sachsen.de/index.php/presse/pressemitteilungen/723-endlich-bauen-statt-endlos-pruefen
ADFC-Bericht zur B 2: https://www.adfc-sachsen.de/index.php/656-erfolgreiche-demo-fuer-einen-radweg-zwischen-hohenossig-und-leipzig
Märkische Allgemeine zur B 107 im Fläming: https://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam-Mittelmark/Wiesenburg/Endspurt-bei-Ausbau-der-B-107-bei-Jeserig-im-Flaeming
Radverkehrskonzeption des Freistaates Sachsen: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/34066
Drucksache Drs 6/16461 zu kleiner Anfrage Radwegeausbau Lausitz: http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=16461&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1

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