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ADFC Sachsen kritisiert Abstimmungsverhalten der Sächsischen Staatsregierung

Zur missglückten Abstimmung über die Reparatur der StVO-Novelle im Bundesrat am Freitag sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen heute:

"Ich halte es für einen unglaublichen Vorgang, dass ausgerechnet die Grünen Radfahrer und Fußgänger zu Geiseln für ihre politischen Spielchen machen. Denn diese beiden Gruppen sind es, die von der Novelle der StVO im Frühjahr am meisten profitiert hatten. Nie darf die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer zum Gegenstand für politische Pokerspiele werden. Genau das aber ist heute im Bundesrat passiert. Dafür tragen die Grünen die politische Verantwortung!"

Krause kritisiert auch das Abstimmungsverhalten Sachsens im Bundesrat. Der Vertreter des Freistaats, Sachsens grüner Umweltminister Wolfram Günther, hatte sich bei den Vorschlägen für eine Reparatur der StVO-Novelle enthalten. Auch wegen seiner Enthaltung könnte die Einigung über eine endgültige Fassung der StVO zu einer unabsehbaren Hängepartie werden und die Neuregelungen im Bußgeldkatalog letztlich sogar kippen.

"Wir hätten erwartet, dass sich Sachsens Landesregierung auf ein konstruktives Abstimmungsverhalten im Bundesrat einigen kann und dass bei ein so wichtiges Thema wie der Verkehrssicherheit nicht einem völlig absurden parteipolitischen Scharmützel geopfert wird. Wenn es um die verkehrssicherheit geht, darf es keine Enthaltung geben!" so Krause abschließend.

 

Hintergrund

Durch einen Formfehler in der novellierten Straßenverkehrs-Ordnung fallen derzeit auch die Bußgelder für gefährdendes Verhalten gegenüber Radfahrenden zurück auf das Niveau vor der Reform. Der Fahrradclub ADFC appelliert dringend an das Bundesverkehrsministerium und die Landesregierungen, die Debatte um Fahrverbote für Raser gesondert zu führen – und die Verbesserungen für den Radverkehr unverzüglich wieder in Kraft zu setzen.

Die Ende April in Kraft getretene neue Straßenverkehrsordnung nebst angeschlossenem Bußgeldkatalog hatte zahlreiche Verbesserungen für den Radverkehr gebracht, für die der ADFC lange gekämpft hat. So wurde erstmals ausdrücklich festgelegt, dass Autofahrende beim Überholen von Radfahrenden mindestens 1,50 Meter Sicherheitsabstand halten müssen. Die Bußgelder für das Zuparken von Radwegen wurden auf bis zu 100 Euro deutlich erhöht, das Halten auf Schutzstreifen wurde ausdrücklich verboten. Auch das Abbiegen und Autotür-Öffnen ohne Schulterblick wurde verteuert.

Ein Dissens über die Höhe der Sanktionen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen und ein übersehener Paragraf im Vorspann drohen jetzt, eine Einigung der StVO zu einer endlosen Hängepartie werden zu lassen.

Zum Videomitschnitt der Bundesratssitzung vom Freitag: https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/20/993/993-node.html

Sie sind vielseitig einsetzbar, vom Kindertransport bis zum Großeinkauf im Baumarkt: Transporträder sind die Trendmobile der Fahrradbranche und auch im Straßenbild deutscher Städten immer öfter zu sehen. Mittlerweile können in Sachsen 23 so genannte freie Lastenräder kostenlos gebucht werden, die meisten bietet der ADFC an.

Nicht nur bei der Zustellung von Post und Päckchen spielen die umweltfreundlichen Transporter eine wachsende Rolle. Sie sind in ganz unterschiedlichem Auftrag unterwegs: Vom Imker bis zum Theaterprojekt gibt es unzählige Dienstleistungen und Ideen, die mit einem Lastenrad preiswerter, praktischer und einfacher funktionieren. Besonders auf kurzen Strecken sind die zwei- oder dreirädrigen Alleskönner im städtischen Raum unschlagbar. Mit Elektroantrieb können Transporträder Autos sogar auf längeren Strecken ersetzen und komplett überflüssig machen. Wer die Vorzüge der CO2-neutralen Transporter ausprobieren möchte, für den sind Freie Lastenräder ein interessantes Angebot.

„Seit einigen Jahren betreibt der ADFC in Sachsen mehrere Sharing-Initiativen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Viele Menschen wollen einmal eine Fahrt mit dem Lastenrad ausprobieren und sind auf der Suche nach einer Transportalternative zum Auto.“ Sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC).

In Dresden erfüllt seit März 2016 die Lastenrad-Initiative „Frieda und Friedrich“ diesen Zweck. Die insgesamt 16 Räder können in der ganzen Stadt ausgeliehen werden. Als Verleihstationen fungieren Fahrradläden, Bio-Märkte, ein Baumarkt und ein Sportgeschäft in der Dresdner Innenstadt und in Radebeul. LARA heißt das Verleih-Angebot des ADFC Leipzig mit drei Lastenrädern im Angebot. Auch in Chemnitz bietet der ADFC zwei Lastenräder zum Verleih. Carlos und Karli sind zwei besondere und eher seltene Exemplare, beide mit einem Elektromotor zur Unterstützung. Auch in Bischofswerda stehen zwei Lastenräder zur freien Nutzung zur Verfügung.

Die Sharing-Initiativen werden auf kostenloser Basis angeboten, eine freiwillige Spende ist jedoch gerne gesehen – für die Wartung und Instandhaltung der Räder und den organisatorischen Aufwand.

Bei freien Lastenrädern üblich: Jedes Rad hat einen eigenen Namen. Auch sonst unterscheiden sich die Räder voneinander. Ob das Fahrrad zwei oder drei Räder hat, ob der Fahrer auf einen Elektroantrieb zurückgreifen kann und wie viel Zuladung möglich sind: „Die Auswahl an unterschiedlichen Rädern ist inzwischen sehr groß.“

Meist kann ein Lastenrad ohne Elektroantrieb bis zu 100 kg transportieren. Manche Räder mit elektrischer Unterstützung transportieren sogar deutlich mehr. Besonders fantasievoll tritt die „Generationenrikscha“ ins Bild, ausgestattet mit Anschnallgurten, einem Baldachin und einem Geländer zum besseren Einsteigen. Das Dresdner Verleihangebot „Frieda und Friedrich“ stellt dieses ganz besondere Vehikel zur Verfügung, welches auch weniger mobile und ältere Personen ermöglicht, einen Rad-Ausflug zu machen.

Warum Cargo Bikes?

Lastenräder sind vielseitig einsetzbar: Ob für den Kindertransport, den Einkauf oder den kleinen Umzug. Die Idee dahinter: Mehr Menschen eine umweltfreundliche Alternative jenseits von Stau und Auto aufzeigen und dabei Städte für Menschen gestalten, in denen nicht alle Straßen von Autos zugeparkt werden, und in denen eine gesteigerte Luftqualität und eine geringere Klimabelastung herrschen.

So viele neue Mitglieder wie noch nie. Zu diesem Ergebnis kommt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen in seiner Zwischenbilanz des Jahres 2020. Seit Januar konnte der ADFC Sachsen 789 neue Mitglieder begrüßen. In vorangegangen Jahren wuchs der sächsische Fahrrad-Club dagegen in einem ganzen Jahr um 400-500 Mitglieder. Mit  aktuell 7358 Mitgliedern ist der ADFC Sachsen einer der größten eingetragenen Vereine in Sachsen.

Die größten Ortsgruppen sind dabei Dresden (4.154 Mitglieder, Zuwachs von 435 seit 1. Januar), Leipzig (1.670, +185) und Chemnitz (517, +66).

"Radfahren liegt im Trend, nicht erst seit Corona. Immer mehr Menschen entscheiden sich für das Fahrrad als gesundes, kostengünstiges und umweltfreundliches Transportmittel für alltägliche Wege und in der Freizeit. Mit der Corona-Pandemie hat sich diese Entwicklung noch einmal verstärkt. Wir haben einen enormen Zuwachs bei der Nutzung des Fahrrads im Alltag und auch die Zahl der Radtouren und Radurlaube geht gerade durch die Decke." berichtet Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Doch schon seit Jahren klemmt in Sachsen der Ausbau sicher nutzbarer Radinstrastruktur. Die Menschen wollen mehr mit dem Rad unterwegs sein, aber sie wollen zum Schluss natürlich heil wieder zuhause ankommen. Diese riesige Lücke zwischen Erwartung und Realität ist der Grund, warum immer mehr Leute den ADFC als starke Stimme für das Fahrrad unterstützen." sagt Krause. "Von der Verkehrspolitik erwarten die Menschen keine Märchen von selbstfahrenden Autos oder Flugtaxis, sondern lückenlose und sichere Radwegenetze."

Auch in den Städten und Gemeinden müsse das Thema ernster genommen werden. Mehr Einsatz für sichere Radinfrastruktur sei das Gebot der Stunde. Bei beengten Straßenverhältnissen stelle sich immer wieder die Frage: "Parkplätze oder Radweg?" Diese werde nur in seltenen Fällen zugunsten des Radwegs beantwortet. Mit Blick auf mehrere tödliche Unfälle in den vergangenen Monaten findet Krause: "Es muss endlich Schluss sein mit halbherzigen Lösungen und Verzögerungen. Wir können mit dem Ausbau des Radwegenetzes nicht immer erst warten, bis wieder ein Radfahrer tödlich verunglückt ist." Deshalb geht der ADFC auch 2020 unter dem Motto "Mehr Platz fürs Rad" auf die Straße und weist auf Lücken und Gefahrenstellen im Radwegenetz hin.

 

Über den ADFC

Bundesweit hat der ADFC knapp 200.000 Mitglieder. Das durchschnittliche ADFC-Mitglied in Sachsen ist 46 Jahre alt, 37% aller sächsischen ADFC-Mitglieder sind jünger als 40 Jahre. Der Verein setzt sich vor Ort für eine fahrradfreundliche, sichere und komfortable Verkehrsplanung ein. 2019 organisierte der ADFC in Sachsen über 300 Radtouren mit rund 4.500 Teilnehmenden. Außerdem berät der Fahrradclub zu technischen Fragen rund ums Fahrrad.

ADFC-Mitglieder profitieren darüber hinaus von der 24h-ADFC-Pannenhilfe fürs Rad, die im Fall einer Havarie Rad und Fahrer unter die Arme greift. Falls die Panne nicht vor Ort behoben werden kann, bringt die ADFC-Pannenhilfe das Rad bis zur nächsten Werkstatt. Des Weiteren zeichnet der ADFC fahrradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten mit dem Bett+Bike-Zertifikat aus. In Sachsen gibt es derzeit fast 200 Bett+Bike-Unterkünfte.

Eine Einzelmitgliedschaft im ADFC kostet 56€ jährlich, der Mitgliedsbeitrag für unter 27-jährige liegt bei 33€. Darüber hinaus bietet der ADFC Haushalts- und Familienmitgliedschaften an für 68€ Jahresbeitrag an.

 

Weitere Informationen:

Zur ADFC-Pannenhilfe: www.adfc.de/artikel/die-adfc-pannenhilfe

Zu Mitgliedervorteilen des ADFC: www.adfc.de/sei-dabei

Zum Projekt Bett+Bike: www.bettundbike.de

Zum Projekt fahrradfreundlicher Arbeitgeber: www.fahrradfreundlicher-arbeitgeber.de

ADFC fordert: Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen

Die Fahrrad-Datenbank der Polizeidirektion Leipzig wird nicht regelmäßig mit neuen Einträgen befüllt. Dies zeigen aktuelle Recherchen des MDR. Bürger, die ihre Räder in Leipzig registrieren lassen, können nicht damit rechnen, dass die Registrierungen zeitnah in die Datenbank der Polizei eingepflegt werden, damit diese im Fall eines Diebstahls schneller zugeordnet werden können. Die Polizeidirektion räumte ein, dass es aufgrund personeller Engpässe deutliche Verzögerungen gibt. Darüber hinaus bestehen wohl technische Probleme bei der Eintragung in die Datenbank. Jene Datenbank wird aber ohnehin nur von der Polizeidirektion Leipzig genutzt. Außerhalb ihres Gebietes findet die Datenbank keine Anwendung.

Janek Mücksch, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, kritisiert das Verfahren der Polizei Leipzig: „Bei dem Leipziger Modell der Fahrradregistrierung handelt es sich um eine Insellösung. Sie wird nur in Leipzig genutzt. Es ist äußerst zweifelhaft, dass Polizisten in anderen Teilen der Republik gestohlene Räder aus Leipzig zurückverfolgen können.“ Dabei existieren dezentrale Lösungen wie die EIN-Codierung, bei der ein individualisierter Code am Rad dauerhaft mit einer Nadel eingeprägt wird. Dieses Verfahren ist bundesweit bei Verkehrswachten, Polizeieinheiten und zivilgesellschaftlichen Akteuren akzeptiert. Vor allem in Hessen, aber auch in Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird dieses Verfahren bereits erfolgreich praktiziert. „Das Leipziger System ist veraltet und höchst unsicher. Innenminister Wöller muss jetzt die Reißleine ziehen und ein modernes Verfahren in der Polizeidirektion Leipzig etablieren. Anders ist dem Problem des Fahrraddiebstahls in Leipzig nicht beizukommen“ sagt Mücksch.

Anders als viele Polizeidirektionen bundesweit arbeitet die Polizei Leipzig auch mit Aufklebern anstelle von Nadelcodierungen. Um diese Aufkleber zu entfernen, ist nur wenig kriminelle Energie notwendig. Der ADFC empfiehlt daher, statt des Aufklebers eine Nadelcodierung zu verwenden, da ein solcher Code sich nicht mehr entfernen lässt.

Hintergrund:

Bei der EIN-Codierung wird das Fahrrad mit einer Signatur gekennzeichnet, die in verschlüsselter Form die Wohnadresse und die Initialen des Besitzers enthält. Mithilfe des Codes kann die Polizei innerhalb von Sekunden ohne eine Datenbankabfrage die Adresse des Eigentümers ermitteln. Da die Codierung auch mit dem aktuellen Jahr versehen wird, sind Umzüge oder Namensänderungen kein Problem. Der individuelle Code wird mit einer Nadel in den Rahmen geprägt. Ein durchsichtiger Aufkleber schützt anschließend vor Korrosionen.

Leipzig gilt als Hochburg des Fahrraddiebstahls. Rund die Hälfte der angezeigten Fahrraddiebstähle im Freistaat Sachsen findet in der Messemetropole statt. 2019 wurden in Sachsen 21.021 Fahrraddiebstähle zur Anzeige gebracht, 12.084 davon im Gebiet der Polizeidirektion Leipzig. Während die Aufklärungsquote sachsenweit bei 11,6% liegt, beträgt die Quote in Leipzig nur 7,7%. Alle sächsischen Landkreise sowie Dresden und Chemnitz weisen bessere Erfolgsquoten auf. Der ADFC geht davon aus, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches größer ist.

 

Weitere Informationen:

Recherche-Ergebnisse des MDR vom 19. Juli

Informationen zur FEIN-Methode

Darstellung der FEIN-Methode in einem Video

Code-Generator des FEIN-Codes

ADFC erfreut: Streifenwagen der Polizei weisen nun auf den Mindestabstand von 1,50 Metern hin

Seit heute machen Aufkleber auf den Streifenwagen der Polizei Dresden auf den Mindestabstand beim Überholen von Radfahrenden aufmerksam. Die Kampagne sensibilisiert für sichere Überholmanöver im Straßenverkehr. Außerdem führte die Polizei heute in Begleitung von Innenminister Roland Wöller auf der Chemnitzer Straße in Dresden Abstandskontrollen durch. Die Polizei reagiert damit auf Änderungen in der Straßenverkehrsordnung: seit April definiert sie einen Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrenden. Außerorts beträgt der verpflichtende Abstand 2 Meter.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, freut sich über die wichtige Aufklärungsarbeit der Polizeidirektion Dresden: „Innenminister Wöller und die Polizeidirektion Dresden haben richtig erkannt, dass zu knappe Überholvorgängen gefährlich sind. Die neuen Hinweise auf den Einsatzwagen sensibilisieren für sicheres Überholen.“ 76% der Rad fahrenden in Sachsen geben an, dass sie regelmäßig zu knapp überholt werden. Das zu enge Überholen von Autos ist der Hauptgrund, warum Menschen auf die Fahrt mit dem Rad verzichten.. Eine großangelegte Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass in 56% der Überholvorgänge zu eng, also mit weniger als 1,50 Metern Abstand überholt wird. „Es freut mich, dass das Innenministerium die langjährige Forderung des ADFC aufgegriffen hat. Aufklärungsarbeit ist für die moderne Polizei unverzichtbar. Ich freue mich außerdem, dass die Polizei Sachsen nun regelmäßig Überholabstände kontrollieren wird“ sagt Krause.

Nicht zufällig wurde die Chemnitzer Straße in Dresden als Kontrollort gewählt. Sehr schmale Schutzstreifen suggerieren hier fälschlicherweise, dass man mit dem Auto knapp am Radverkehr vorbeifahren kann. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ein Rechtsgutachten der Unfallforschung der Versicherer zeigte schon 2018, dass der Mindestabstand beim Überholen auch bei Schutz- und Radfahrstreifen gilt. Seit der letzten Novellierung der Verkehrsregeln ist der verbindliche Überholabstand nun Teil der StVO, dies gilt sowohl auf gemischten Fahrbahnflächen als auch, wenn Rad fahrende auf Schutzstreifen oder Radfahrstreifen überholt werden.

 

Hintergrund

Seit der letzten Aprilwoche definiert die StVO beim Überholen von Radfahrenden einen Mindestabstand von 1,50 Metern innerorts und zwei Metern außerorts. Zuvor gab es nur Gerichtsurteile, die den Mindestabstand festlegten.

Der Tagesspiegel hat 2018 in Berlin über zehn Wochen hinweg bei 100 Radfahrenden den Überholabstand von Autos messen lassen. Über 16.000 Datensätze sind so entstanden. Die Ergebnisse sind schockierend: In 56% aller Fälle wurde der Mindestabstand von 1,50 m nicht eingehalten. Bei 18% aller Überholmanöver betrug der Abstand zwischen Auto und Rad weniger als einen Meter und in über einem Prozent aller Fälle wurden die Radfahrenden mit weniger als 50 Zentimeter Abstand überholt.

Die Angst, durch knappe Überholmanöver in einen Unfall verwickelt zu werden ist für viele Menschen ein Hinderungsgrund, auf das Fahrrad umzusteigen. In der begleitenden Umfrage des Tagesspiegels gaben 90% der Radfahrenden an, zu eng überholende Autos als Hauptgefahr im Straßenverkehr zu sehen.

Fahrradklima-Test des ADFC zu Überholvorgängen in Sachsen: https://adfc-sachsen.de/705

Radmesser des Tagesspiegels: https://interaktiv.tagesspiegel.de/radmesser

Rechtsgutachten der UdV: https://repository.difu.de/jspui/bitstream/difu/256762/1/DS1920.pdf

ADFC Sachsen empört über die Ambitionslosigkeit von Ministerpräsident Kretschmer

Heute haben Bundestag und Bundesrat mit dem Kohleausstieg auch das Strukturstärkungsgesetz beschlossen. Kritik an dem Beschluss kommt nicht nur von Umweltverbänden und der Opposition, sondern auch vom Allgemeinen Deutschen Fahhrad-Club (ADFC) Sachsen. Der Entwurf des Gestzes sah eigentlich vor, die Radinfrastruktur in der Region besonders auszubauen. Dieser Absatz wurde jedoch vor der Abstimmung gestrichen.

In den sächsischen Braunkohlenregionen wünschen sich schon jetzt 59% mehr Engagement für sicheren Radverkehr. 60% gaben an, dass sie sich momentan noch auf dem Rad gefährdet fühlen. Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Niklas Schietzold, Vorsitzender des ADFC Sachsen, zeigt sich bestürzt über die ersatzlose Streichung der Radverkehrsförderung: "Die Große Koalition in Berlin hat das Potential des Fahrrads völlig ignoriert. Es ist doch aber klar, dass junge und gut ausgebildete Leute nicht wegen Autobahnen und Lkw-Straßen in die Lausitz kommen. Ohne sichere Radverkehrsnetze locken wir heute keinen mehr hinter dem Ofen hervor! Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport karren muss, und auch selbst nicht sicher mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend. Das will heute keiner mehr, wenn er es sich aussuchen kann."

Studien zeigen, dass immer mehr junge Menschen sich für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel entscheiden und immer öfter keinen Führerschein mehr haben. "Wenn der Strukturwandel in der Lausitz ein Erfolg werden soll, dann brauchen wir Angebote, die für die jungen und qualifizierten Absolventen aus den Universitätsstädten attraktiv sind. An jedem Tag das Auto nehmen zu müssen, ist für viele einfach keine Option mehr. Wirtschaftsförderung ist heute eben mehr als große Straßen für breite Lkw zu bauen" erklärt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

"Ich kann nicht verstehen, wie Ministerpräsident Kretschmer, der sich als Kenner ländlicher Strukturen versteht, so ein völlig rückwärtsgewandtes Maßnahmepaket mitträgt." ergänzt ADFC-Vorsitzender Schietzold.

Der ADFC hatte sich in der vergangenen Woche an viele Abgeordnete in Berlin und auch an die sächsische Staatsregierung gewandt, in der Hoffnung, dass die Große Koalition wenigstens den halbherzigen Halbsatz zur  Fahrradförderung im Strukturwandelgesetz stehen lässt. Zuvor hatte die Große Koalition in einer Nacht- und Nebelaktion die Fahrradförderung aus dem Kohleausstiegsgesetz gestrichen. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass nur noch wirtschaftsfördernde Maßnahmen gefördert werden. Die Koalition ignorierte jedoch damit die Mobilitätsbedürfnisse vieler junger Menschen.  Auch die Bedeutung des Radtourismus fand keinerlei Beachtung.

Hintergrund:
Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs will der ADFC den Kohleausstieg als Chance nutzen, um die Lausitz zu einer deutschen Vorreiterregion zu machen, indem der Bund das Radwegenetz an Bundesstraßen ausbaut und Pendlern in die Ballungszentren das Leben leichter gemacht wird, indem sie statt das Auto nutzen zu müssen, leichter mit Rad und Bahn zum Ziel kommen. Dafür fordert der Fahrradclub bis 2025 Abstellanlagen und Radstationen an allen Bahnhöfen im Revier.


Quellen:
   
Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

ADFC-Studie zeigt: Nur 20% der Stationen verfügen über sichere Abstellanlagen

Zwei von fünf Bahnhöfen in Sachsen verfügen über keine Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bei weiteren 20% sind diese äußerst mangelhaft. Dies zeigt eine Studie des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Sachsen, die heute in Dresden vorgestellt wurde. In der Untersuchung erfasste der ADFC die Qualität und Anzahl der Fahrradabstellanlagen aller 521 sächsischen Bahnhöfe und bewertete sie mit Schulnoten. Während 60% der Bahnhöfe den Test nicht bestanden, erreichten immerhin 20% Note 1 oder 2. An diesen 101 Bahnhöfen kommt auf jeden zehnten einsteigenden Fahrgast mindestens eine überdachte und diebstahlsichere Abstellmöglichkeit.

Gerade Bahnhöfe gelten als Hotspots des Fahrraddiebstahls, weil die Zahl der abgestellten Räder dort meist hoch und die soziale Kontrolle oft gering scheint. Mit der zunehmenden Nutzung von E-Bikes und hochwertigen Rädern steigen auch die Ansprüche an sichere Fahrradabstellmöglichkeiten. Damit sich mehr Menschen trauen ihr Rad am Bahnhof abzustellen, müssen die Bahnhöfe mit modernen Abstellanlagen ausgestattet sein.

„Diebstahlsichere Abstellanlagen kosten wenig Geld und machen das Pendeln mit der Bahn attraktiver. Kommunen und Verkehrsverbünde sollten an den mangelhaften Bahnhöfen schnell nachbessern“ fordert Mücksch, Vorstandsmitglied im ADFC Sachsen.

Der ADFC empfiehlt, für jeden siebenten Einsteiger eine diebstahlsichere Abstellmöglichkeit bereitzustellen. Im Idealfall kommt an den größeren Stationen auf jeden 200. Fahrgast darüber hinaus ein Platz in einer Fahrradbox oder einer Sammelschließanlage. Solche Abstellmöglichkeiten senken die Hürde, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren weiter und erhöhen dadurch den Einzugsradius des Bahnhofs. Nur die Bahnhöfe in Delitzsch, Oschatz und Neukieritzsch erfüllen diese Kriterien. Der ADFC fordert darüber hinaus, die 25 wichtigsten Stationen im Freistaat bis 2030 mit Fahrradstationen auszustatten.

Fast eine Million Sachsen pendeln täglich zur Arbeit, vor allem im ländlichen Raum. 79% der Beschäftigten in sächsischen Städten mit weniger als 10.000 Einwohnern fahren jeden Tag in eine andere Stadt auf Arbeit. „Pendler stehen täglich vor der Wahl welches Verkehrsmittel sie nutzen. Für sehr viele ist die Kombination von Rad und Bahn die intelligenteste Lösung.“ sagt Janek Mücksch.

Zwischen den sächsischen Landkreisen existieren teils erhebliche Unterschiede. Während im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die Abstellanlagen im Mittel nur Note 5,1 erreichten, erhielten die Landkreise Leipzig und Bautzen durchschnittlich die Schulnote 3,6. Hier verfügen 42% der Bahnhöfe über eine gute Ausstattung. Die sächsischen Großstädte schnitten in der Studie nicht gut ab. In Leipzig verfügen 55% der Stationen über keine oder mangelhafte Abstellanlagen. In Dresden sind es 73% und in Chemnitz sogar 77%.

Hintergrund:

Die durchschnittliche Qualität der Fahrradparker unterscheidet sich nicht nur zwischen den Landkreisen, sondern auch nach Städtegröße. In den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz haben 70% der Stationen keine oder nur mangelhafte Abstellanlagen. In Zwickau, Plauen und Görlitz sind es sogar 75%. In den Mittelstädten mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern liegt diese Quote dagegen nur bei 40%. In kleinen Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern beträgt der Anteil der Bahnhöfe ohne oder mit mangelhaften Fahrradparkern wiederum 74%.

Der ADFC Sachsen erfasste die Qualität und Quantität der Fahrradabstellanlagen an allen 521 sächsischen Bahnhöfen und Haltepunkten. Die Ergebnisse sind größtenteils ernüchternd: 209 Stationen verfügen über gar keine Abstellanlagen und bei 102 weiteren sind sie äußerst mangelhaft. Hier kommen auf 33 Fahrgäste weniger als ein diebstahlsicherer Abstellplatz oder es gibt nur einfache Vorderradhalter. An solchen Felgenklemmern kann durch ein einfaches Abschrauben des Vorderrades das Fahrrad entwendet werden. Daher ist es wichtig, dass sowohl der Rahmen als auch ein Rad mit angeschlossen werden können.

Link zu Studie: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/f3QK6jdcgN3YGNe

Kartenübersicht zu allen sächsischen Bahnhöfen: www.adfc-sachsen.de/bikeandride

Förderprogramm des Bundesumweltministeriums: https://www.klimaschutz.de/bikeandride

ADFC und BUND protestieren vor sächsischer Staatskanzlei gegen Abwrackprämie

Unter dem Motto "Staatsregierung wachklingeln" demonstrierten ADFC und BUND heute vor der Staatskanzlei in Dresden. Mit der Aktion machten die Verbände auf die kontroversen Äußerungen des Ministerpräsidenten aufmerksam, der in den letzten Wochen wiederholt eine Autokaufprämie gefordert hatte, um angesichts der Herausforderungen der Corona-Krise wirtschaftliche Impulse zu setzen.

Mit einem zehnminütigen Fahrradklingelkonzert folgten 200 Demonstrierende dem Aufruf des ADFC und des BUND und versuchten so, die Staatsregierung symbolisch aus ihrem verkehrs- und klimapolitischen Alptraum zu wecken.

Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, zeigt sich schockiert über die Pläne des Ministerpräsidenten: "Die Autokaufprämie ist eine Geldausschüttung an Leute, die sich ohnehin ein neues Auto leisten können. Sie ist verkehrspolitisch kontraproduktiv, denn statt Mobilität würde sie neuen Stau in die Städte bringen und die Konkurrenz um die ohnehin knappen Flächen verschärfen."

Als Gegenentwurf formulierte der ADFC in einem bundesweiten Unternehmer- und Verbändebündnis eine diskriminierungsfreie "Mobilitätsprämie für Alle", die beispielsweise Fahrradkäufe, Nahverkehrsabonnements oder das Car-Sharing unterstützt.

„Was Deutschland jetzt braucht, sind nicht Prämien für die Anschaffung neuer Autos, sondern Anreize, das Verkehrssystem komplett umzubauen: hin zu weniger Autos und die elektrisch betrieben und zu mehr Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr. Und letztere müssen verstärkt subventioniert werden, nicht eine Dinosauriertechnologie, die schon vor Corona die Zeichen der Zeit nicht gehört hat.“ ergänzt David Greve, Geschäftsführer des BUND Sachsen am Dienstag in Dresden.

Hintergrund

Durch Corona hat sich das Leben fast aller Menschen in Deutschland schlagartig verändert. Sie stehen jetzt vor der Entscheidung, wie sie ihre Mobilität nach dem Lockdown neu organisieren.

Seit Wochen führen Automobilverbände und Spitzenpolitiker quer durch das ganze Land eine Diskussion, ob die Verkaufszahlen der deutschen Automobilindustrie mithilfe einer Kaufprämie gestützt werden sollten. Wie der ARD-DeutschlandTrend zeigt, befürworten nur 12% der Deutschen ein solches Vorhaben. Darüber hinaus haben sich auch die fünf "Wirtschaftsweisen" gegen eine "Abwrackprämie" ausgesprochen.

Davon unbeeindruckt scheinen neben Sachsens Ministerpräsident Kretschmer auch andere Spitzenpolitiker nicht von ihren Entscheidungen abrücken zu wollen. Der zunächst für den 2. Juni geplante "Automobilgipfel" im Kanzleramt ist zwar verschoben, ADFC und BUND sehen noch längst keinen Grund zur Entwarnung.

ADFC Sachsen fordert provisorische Radwege auf Hauptverkehrsachsen

Seit dem Ausbruch der Corona-Krise empfehlen Ärzte und Behörden, für die notwendigen Wege möglichst das Fahrrad zu nutzen. Die nicht ungefährliche Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln soll so vermieden werden. Gleichzeitig hält Bewegung an der frischen Luft den Kreislauf in Schwung und erhöht die körperliche Fitness.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen plädiert dafür, dass den Empfehlungen der Ärzte und Fachleute auf das Fahrrad zu steigen, nun auch Taten an der Infrastruktur folgen. Nach Bogotá, New York und Kopenhagen hat nun mit Berlin die erste deutsche Stadt entlang einzelner großer Hauptstraßen Autospuren zu Radspuren umgewidmet.

„In den letzten Tagen erreichen mich viele Berichte von Personen, die zum ersten Mal ihren Arbeitsweg mit dem Rad bestreiten. Wir müssen in dieser Krise den Menschen schnellstmöglich eine gute Infrastruktur anbieten und Lücken im Netz provisorisch schließen, damit sie das Rad nutzen“ sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Der ADFC fordert daher, Autospuren zu Radspuren umzuwidmen, wenn mehr als eine Autospur pro Richtung zur Verfügung steht. Im Idealfall sind diese Radspuren wie in Berlin mit Pollern geschützt. „Mehr Platz für das Rad bedeutet auch, dass sich die Radfahrenden stärker verteilen und auch nicht mit Fußgängern in Konflikt kommen. Das minimiert nicht nur Unfälle, sondern auch das Infektionsrisiko“ sagt Krause. Zusätzlich wurden in Berlin an vielen Kreuzungen auch die Aufstellflächen für Radfahrende vergrößert. Auch so kann verhindert werden, dass sich zu große Pulks von Radfahrenden bilden.

Drei Tage lagen in Berlin zwischen Planung und der Umwidmungen der Fahrspuren. Die blitzschnellen Anpassungen zeigen, wie akut der Handlungsdruck ist. Die Umwidmung von Fahrspuren zu Radwegen ist zudem auch unproblematisch, da sich der Autoverkehr in den letzten Tagen ohnehin deutlich verringert hat, teils um mehr als zwei Drittel. Die Berliner Senatsverwaltung hat Rad- und Autoverkehr dabei mit Markierungen, Piktogrammen und Baken voneinander getrennt. Weitere Anpassungen sind geplant.

Um die Corona-Krise auch im Straßenverkehr zu bekämpfen, fordert der ADFC Sachsen jetzt Sofortmaßnahmen der Städte. Diese können Autospuren zu Radwegen umwidmen und vor Kreuzungen größere Aufstellflächen für Radfahrer schaffen. Daneben müssen dringend auch Tast-Ampeln abgeschaltet werden. Viele Ampeln schalten für den Rad- und Fußverkehr nur auf Grün, wenn ein Taster betätigt wird. "Die so genannten Betteltaster sind absolut unnötige Infektionsschleudern, die sehr einfach eliminiert werden können. Die Straßenbaubehörden sind hier in der Pflicht, Ampeln für Fußgänger und Radfahrer einfach in jeder Umlaufphase auf "grün" zu schalten." so Konrad Krause vom ADFC.

Seit Freitag ist klar, dass in den kommenden Wochen soziale Kontakte massiv eingeschränkt werden müssen, um die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle zu bringen. Dieses gesamtgesellschaftliche Ziel teilt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). "Gelingen wird uns das aber nur, wenn jeder Einzelne sich bemüht, die Zahl vermeidbarer sozialer Kontakte drastisch zu minimieren." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Eine Möglichkeit dies zu tun ist der Verzicht auf Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr, sofern das irgendwie möglich ist. Denn hier ist die Zahl unterschiedlicher sozialer Kontakte jedes Mal extrem hoch, die Verbreitung des Virus demzufolge auch. Allen Berufspendlern, die ihre Arbeit nicht ins Home Office verlagern können, empfiehlt der ADFC für den Weg zur Arbeit daher auf das Fahrrad umzusteigen: "Jeder, der statt Straßenbahn und Bus jetzt das Rad nimmt, senkt die Zahl unnötiger Kontakte und reduziert damit die Geschwindigkeit, mit der sich das Corona-Virus ausbreitet. Gleichzeitig sinkt natürlich auch das Risiko, sich selbst bei anderen Fahrgästen anzustecken." sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen. Wenn sich weniger Menschen in Busse und Bahnen drängen, senkt das dort für jeden Einzelnen die Ansteckungsgefahr, gerade auch für die Risikogruppen und für Menschen, die nicht auf das Fahrrad ausweichen können.

Das Auto sieht ADFC-Geschäftsführer Krause indes nicht als brauchbare Alternative zum ÖPNV: "Wenn im Berufsverkehr nur ein paar Prozent mehr Menschen vom öffentlichen Verkehr in das Auto umsteigen, dann hätten wir in den Städten sofort ein Verkehrschaos. Alle stünden gemeinsam im Stau und keiner käme mehr voran. Wenn jetzt alle besonnen und schlau agieren, indem sie aufs Rad steigen, können wir auch in Zeiten von Corona einem Verkehrskollaps entgehen"

"Alle, die dazu körperlich in der Lage sind, sollten daher aufs Fahrrad umsteigen, wenigstens für die Zeit mit der größten Ansteckungsgefahr" sagt Krause. Diese Forderung vertreten neben dem ADFC auch bekannte Virologen wie der Freiburger Prof. Gerd Antes, Direktor des Deutschen Cochrane Zentrums.

Am wichtigsten bei der Bekämpfung des Virus ist nach Expertenmeinung nun, die Ausbreitung hinauszuzögern, sodass die medizinischen Kapazitäten der Ärzte und Krankenhäuser möglichst zu keinem Zeitpunkt überlastet werden. Eine maximale Verringerung der sozialen Kontakte gehört dazu ebenso wie Schulschließungen und die Verlagerung aller denkbaren Arbeit ins Home Office. Letzteres macht auch der ADFC konsequent. "Ich habe die Angestellten unserer Geschäftsstelle bis auf weiteres nach Hause geschickt" sagt Krause. "Wir arbeiten ohnehin viel über Telefonkonferenzen und in der Cloud, sodass wir vom Corona-Virus nur wenig eingeschränkt sind."

Der ADFC habe außerdem seine Radtouren und alle größeren Veranstaltungen abgesagt. Als einer der größten Vereine in Deutschland habe der ADFC eine Rolle als gesellschaftliches Vorbild. Krause ist überzeugt, dass die Pandemie gut überstanden werden kann, wenn jetzt jeder seinen Teil dafür tut, dass die Ausbreitung des Corona-Virus gebremst wird.

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