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ADFC kritisiert fehlenden Radweg an der S 81

Nach dem tödlichen Fahrradunfall am 27. November auf der Staatsstraße 81 zwischen Auer und Friedewald stellen nicht nur Anwohner und Betroffene Fragen nach der Verantwortung. Auch der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Sachsen (ADFC), Konrad Krause, sieht dringenden Klärungsbedarf. "Nur weil der Unfallfahrer unter Alkoholeinfluss stand, können wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Hätte es an der S 81 einen separaten Radweg geben, wäre der beim Unfall getötete Schulamtsleiter wahrscheinlich noch am Leben.“

Schon lange beklagen Anwohner und Pendler, die auf der Strecke mit dem Rad zur Arbeit nach Dresden unterwegs sind die unhaltbare Situation für Radfahrer an der S 81. Die Kurvenradien der 2011 neu gebauten Staatsstraße sind sehr großzügig gestaltet und vermitteln Autofahrern ein Maß an Sicherheit, das geradezu eine Einladung zum Fahren teils extrem überhöhter Geschwindigkeiten darstellt. Weil ein Radweg fehlt, sind Radfahrer und Fußgänger dieser rücksichtslosen Fahrweise schutzlos ausgeliefert.

"Beim Ausbau der Straße im Jahr 2011 hat der Freistaat einen Radweg für entbehrlich gehalten. Das rächt sich jetzt bitter. Genau so, wie die Untätigkeit der Meißner Niederlassung des Landesamts für Straßenbau und Verkehr beim Radwegebau." Noch im April betonte dessen Amtsleiter, dass Radwege für ihn keine Priorität hätten. "Diese lässige Haltung gegenüber der Sicherheit nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer trifft aus unserer Sicht eine klare Mitschuld an diesem Unfall." sagt Krause. "Wir brauchen in Sachsen endlich eine grundsätzliche Prioritätenänderung hin zu sicherer Verkehrsinfrastruktur für alle Verkehrsteilnehmer."

Zum Hintergrund

Am Abend des 27. November befuhr der Leiter des Dresdner Schulverwaltungsamtes, Falk Schmidtgen, mit seinem Fahrrad die Staatsstraße 81 zwischen Friedewald und Auer, nordwestlich von Dresden. Mit hoher Geschwindigkeit rammte ein Kleintransporter den Radfahrer und schleuderte ihn durch die Luft, er verstarb noch am Ort des Unfalls an den Folgen des Aufpralls. Schnell stellte sich heraus, dass der Fahrer des Transporters einen Blutalkoholwert von 1,7 Promille hatte.

An der Staatsstraße existiert für den Abschnitt zwischen Weinböhla und Reichenberg weder eine sinnvolle Parallelroute noch ein baulich getrennter Radweg. Neben Berufstätigen Richtung Dresden sind daher auch Schüler mit dem Rad auf der gefährlichen Straße unterwegs. Trotz der offensichtlichen Gefährdungslage hat das LASuV auf dem stark befahrenen Abschnitt bisher keine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet.

Die S 81 wird in der Radverkehrskonzeption des Landes Sachsen seit 2014 mit der höchsten Prioritätsstufe A geführt. Das bedeutet, dass der Freistaat im Abschnitt zwischen Weinböhla und Reichenberg dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs sieht. Dennoch hat das LaSuV Meißen seit 2014 nicht einen Meter Radweg gebaut. Nach Informationen des ADFC wurde mit der Planung eines durchgehenden Radwegs an der S 81 zwischen Auer und der Stadtgrenze zu Dresden noch nicht einmal begonnen. Ganz im Gegenteil: Der Meißner Niederlassungsleiter Holger Wohsmann erklärte auf einer Pressekonferenz noch im April 2018, dass der Radwegebau für seine Behörde keine Priorität habe (Quelle siehe unten).

Zeitgleich zum Unglück am Abend des 27. November fand im Rathaus Klotzsche eine Podiumsdiskussion zum Radverkehr im Dresdner Norden statt. Eines der Themen, über das Anwohnerinnen und Anwohner neben weiteren Lücken im Radverkehrsnetz engagiert diskutierten, war auch der fehlende Radweg an der S 81 zwischen der Dresdner Stadtgrenze und Weinböhla.

Quelle zur Aussage "Radwege stehen hintenan": Artikel zum Bauprogramm des LASuV Meißen 2018 vom 26.04.2018: B 170 wird frühestens 2019 umgebaut

Karte der Radverkehrskonzeption Sachsen im Landkreis Meißen mit den nach Priorität eingezeichneten Radweg-Bauvorhaben: https://sn.adfc-clouds.de/index.php/s/4PRmYj4NceMMaxn

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