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Finanziert aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes für die Kohleregionen sollte eome 70 km lange "Lausitzmagistrale" die Autobahnen A 4 und A 15 verbinden. Kritiker des Projekts wiesen schon seit längerem darauf hin, dass für das Großprojekt kein Bedarf bestehe. Wie die Sächsische Staatsregierung am 23. Oktober bekanntgegeben hat, sieht inzwischen auch der Freistaat für die Route aus umweltfachlicher, wirtschaftlicher und verkehrlicher Sicht keine Grundlage mehr.

Damit werden erhebliche finanzielle Mittel frei: 410 Mio. Euro waren für das gewaltige Projekt veranschlagt. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen möchte die bisher für die B 178 verplanten Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz in moderne, vernetzte und sichere Radverkehrsverbindungen investieren.

"Ich freue mich, dass der Freistaat bei der B 178 nun die Reißleine gezogen hat. Bis 2025 möchte die Koalition in Dresden den Anteil des Radverkehrs in Sachsen verdoppeln. Das ist sehr ambitioniert, weshalb die frei werdenden Mittel unbedingt für dieses Ziel eingesetzt werden sollten" sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen.

Rechnerisch könnten von den 410 Mio. Euro mehr als 1.300 km Radwege neben Bundes-, Staats-oder Kreisstraßen gebaut werden. Das entspräche nahezu einer Verdoppelung des aktuellen Radwegenetztes aller Kreis-, Staats- und Bundesstraßen im gesamten Freistaat. Der ADFC schlägt vor, dass die Mittel nun verstärkt in Radverkehrsprojekte in den sächsischen Kohleregionen investiert werden. Insbesondere sieht der Fahrradverband den Bedarf im beschleunigten Bau von Radwegen an Bundesstraßen sowie in einem Programm zur Vernetzung von Bahn und Radverkehr.

"Gerade im ländlichen Raum ist doch ein Mangel an autobahnartigen Bundesstraßen wirklich nicht das Problem. Viel größer sind die Probleme einfachster Basismobilität, weil man mit dem Rad nicht sichervon Ort zu Ort kommt. Oft sind Menschen auf dem Weg zu Arbeit, Schule oder EInkauf auch für sehr kurze Strecken auf das Auto angewiesen, weil eine sichere Radverbindung ins Nachbardorf schlicht fehlt."

"Der Freistaat will junge und gut ausgebildete Menschen in die Lausitz locken. Längst sind lückenlose und sichere Radverkehrsnetze ein ernstzunehmender Standortfaktor. Die Vorstellung, dass man als qualifzierte Fachkraft seine Kinder mit dem Auto zur Schule und zum Sport fahren muss und auch selbst nicht mit dem Rad zur Arbeit kommt, wirkt auf junge Hochschulabsolventen einfach abschreckend."

Der Weg zu einem dichten Radwegenetz scheitert in Sachsen vielerorts an Planungskapazitäten und der Finanzierung: Lediglich 28 % der Bundesstraßen in Sachsen verfügen aktuell über einen Radweg. Bundesweit liegt dieser Wert bei über 40 %. Nur 11 % von Sachsens Staatsstraßen verfügen aktuell über einen Radweg. Damit rangiert Sachsen bundesweit auf den letzten Plätzen.

Der ADFC möchte die Lausitz zu einer führenden Radregion in Deutschland entwickeln, wofür große Anstrengungen beim Ausbau des touristischen Radwegenetzes erforderlich sind. Auch im Bereich des Alltagsverkehrs sieht der ADFC den Kohleausstieg als Chance für modernen und vernetzten Radverkehr. Ein sicheres und lückenloses Radwegenetz kann die Lebensqualität ländlicher Regionen reheblich steigern und ist ein entscheidender Baustein für eine erfolgreiche Regionalentwicklung nach dem Kohleausstieg.

Hintergrund

Am vergangenen Freitag kündigte die Sächsische Staatsregierung an, den Neubau der Bundesstraße 178n nicht weiter zu verfolgen. Die Machbarkeitsstudie zur B 178n konnte weder nachweisen, dass das Verkehrsaufkommen eine neue Straße rechtfertigen würde, ebenso wurde die Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts als "nicht darstellbar" bezeichnet.

In den sächsischen Braunkohleregionen wünschen sich schon jetzt 59% ein stärkeres Engagement für sicheren Radverkehr. Etwa 60% fühlen sich bei ihren Wegen auf dem Rad gefährdet. Sogar 70% der Befragten gaben an, dass sie selbst größere Kinder nicht mit gutem Gewissen allein Rad fahren lassen.

Dies zeigt der Fahrradklima-Test des ADFC, der 4.200 Personen in den sächsischen Kohlegebieten befragte.

Für die Lausitz fordert der ADFC eine beschleunigte Umsetzung des Radwegebaus an Bundesstraßen. Das betrifft ca. 40 km Neubaustrecke im Landkreis Bautzen und ca. 20 km Radwege im Landkreis Görlitz. An den Bahnhöfen in der Lausitz hat der ADFC der Sächsischen Staatsregierung einen Ausbauplan für Fahrradstationen mit einem Investitionsvolument von ca. 9 Mio. Euro vorgelegt. Weitere 15 Mio. sollten laut ADFC in den Bau einer hochwertigen touristischen Radverbindung vom Elberadweg in die Lausitz investiert werden, um die radtouristischen Potentiale zwischen Elbe und Neiße besser zu erschließen.

Quellen
- Pressemitteilung des SMWA: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/242146
- Fahrradklima-Test (2018) adfc-sachsen.de/fahrradklima  
- Junge Menschen nutzen häufiger das Rad: SrV (2018): https://tu-dresden.de/bu/verkehr/ivs/srv/ressourcen/dateien/SrV2018_Ergebnispraesentation.pdf?lang=de

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